Iran

Ärztin mit Fernweh - Anästhesistin aus dem Annastift reist für "Ärzte ohne Grenzen" in Krisengebiete

Von Janina Dörmann

Schon als Kind hatte Monika Hillebrand einen Traum: Wenn sie im Fernsehen Reportagen über ferne Länder sah, dachte sie sich "Da möchte ich auch mal hin". Heute ist sie 44 Jahre alt und war für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" schon in Somalia, in Sri Lanka und im Iran. Der Traum von damals ist Wirklichkeit geworden. Und der Wunsch, als Ärztin unmittelbar zu helfen: "Jeder, der anfängt Medizin zu studieren, möchte das. Hier in Deutschland ist alles sehr stark strukturiert. Es sei denn, man arbeitet immer nur als Notarzt. Die Hilfe im Krisengebiet ist unmittelbar, da wird ohne Riesenaufwand an Bürokratie einfach geholfen, mit begrenzten Mitteln zwar, aber es klappt."

Im November vergangenen Jahres war sie vier Wochen im Iran. Dort war sie für die Erstversorgung von Kriegsverletzten aus dem Irak zuständig, davor war sie 20 Wochen in Sri Lanka. Nur 15 Kilometer von der Front entfernt. Abend hörte sie die Bomben, tagsüber stand sie im OP. Bei brütender Hitze und ohne Klimaanlage: "Es gab keine Monitore, wo man sehen konnte, welche Menge an Anästhesiegas der Patient bekommen hat. Da musste ich mich eben mehr auf den Blutdruck und den Puls verlassen. So wie es hier die Anästhesisten vor 50 Jahren gemacht haben." Nicht selten fiel während einer OP der Strom aus. Dann leuchtete die französische OP-Schwester dem amerikanischen Chirurgen kurzerhand mit einer Taschenlampe weiter.

Neben der Zusammenarbeit mit den internationalen Kollegen genießt sie den Kontakt zu den einheimischen Helfern: "Weil die so anders sind. Die lachen auch sehr viel über uns. Und durch dieses gemeinsame Lachen ist man auf einer Ebene. Man kommt weg von dem Denken: Wie sind reich und ihr seid arm. Ich hatte ein "Eine-Welt-Gefühl"."

Für ihr Engagement in den Krisengebieten verzichtet die ledige Ärztin auf einen Teil ihres Urlaubes. Aber die Erfahrungen, die sie sammelt, sind für sie wertvoll, dass sie dazu gerne bereit ist. Nach bisher vier Auslandsprojekten ist die Sehnsucht nach der Ferne noch immer nicht gestillt: "Wenn man mich anruft, bin ich bereit." Egal, wohin es geht.

Der Schlüssel, Nachrichten der Diakonischen Dienste
Hannover Ausgabe April 2008