Guinea/Liberia

Ärzte ohne Grenzen weiter im Ebola-Einsatz

Ebola-Behandlungszentrum in Conakry

Im Kampf gegen den Ebola-Ausbruch in Westafrika setzt Ärzte ohne Grenzen mehr als 60 internationale und 270 guineische und liberianische Mitarbeiter ein. Die Organisation unterstützt die lokalen Gesundheitsbehörden bei der Versorgung von infizierten Patienten und führt Maßnahmen durch, um dem Ausbruch an drei Standorten in Guinea und an zwei weiteren im benachbarten Liberia zu begegnen. Offiziellen Angaben zufolge sind dem Ausbruch in beiden Ländern zusammen bislang 135 Menschen zum Opfer gefallen*, es gibt aber auch Überlebende.

In einem Isolierungszentrum im Donka-Krankenhaus in der guineischen Hauptstadt Conakry versorgt Ärzte ohne Grenzen zusammen mit dem Gesundheitsministerium und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit 16 Ebola-Patienten. Täglich treffen neue Patienten ein, weswegen Ärzte ohne Grenzen die Kapazität von 30 auf 40 Betten erweitert hat.

"Für uns hat es Priorität, uns weiterhin um die Menschen zu kümmern, die mit dem Ebola-Virus infiziert sind. Aus epidemiologischer Sicht ist es zu früh zu sagen, in welche Richtung der Ausbruch sich entwickelt. Für uns ist jeder neue Fall eine Herausforderung. Wir werden neue Patienten aufnehmen, bis dieser Ausbruch vorüber ist ", erklärt Henry Gray, Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Guinea. Mehrere Patienten, die von Ärzte ohne Grenzen versorgt wurden, haben die Ebola-Infektion überlebt. Ebola hat eine sehr hohe Mortalitätsrate – bis zu 90 Prozent der Betroffenen sterben an der Krankheit.

"Als mir gesagt wurde, dass ich das Virus habe, war mein erster Gedanke: Werde ich sterben? Aber dank der Pflege, die ich erhielt, fühlte ich mich jeden Tag besser. Dank der Gnade Gottes überlebte ich die Krankheit ", sagt ein guineischer Patient, der anonym bleiben möchte.

Wiederaufnahme und Fortsetzung der Aktivitäten im Südosten Guineas

In Macenta hat Ärzte ohne Grenzen die Aktivitäten in der vergangenen Woche wieder aufgenommen, nachdem sie zuvor aufgrund von Demonstrationen eines kleinen Teils der Bevölkerung für wenige Tage ausgesetzt worden waren. Ärzte ohne Grenzen setzt die Gespräche mit der örtlichen Gemeinde fort, um Missverständnissen über die Krankheit zu begegnen, und um sicherzustellen, dass so gut wie möglich verstanden wird, wie sie sich ausbreitet und was man für Betroffene tun kann.

In Gueckedou gehen unsere Aktivitäten gegen den Ausbruch mit 26 internationalen und 156 guineischen Mitarbeitern weiter. In der Einrichtung von Ärzte ohne Grenzen, die über 20 Betten verfügt, befinden sich derzeit 11 Patienten. "Wir kennen unsere Patienten sehr gut; ihren Namen, ihr Alter, ihre Familien - wo sie leben, wie sie sich infiziert haben. Wenn Patienten die Krankheit überleben und sie dann unser medizinisches Personal ohne die Schutzausrüstung sehen und ihnen die Hände schütteln können  - das ist wirklich emotional ", sagt unser Projektkoordinator Mano Kanton in Gueckedou.

Positive Fälle erfordern Ausweitung des Einsatzes in Liberia

Nach Berichten über Ebola-Verdachtsfälle im benachbarten Liberia, hat Ärzte ohne Grenzen Teams in die Landkreise Lofa und Margibi sowie in die Hauptstadt Monrovia geschickt. In Foya Lofa (in der Nähe der Grenze zu Guinea) wurden vier Ebola-Fälle bestätigt – die Betroffen sind alle gestorben. Ärzte ohne Grenzen baut derzeit eine Einrichtung auf, in der Patienten aus der Region isoliert und versorgt werden können. Die Organisation wird sich auch um ein entsprechendes Training für lokales Gesundheitspersonal kümmern und stellt sicher, dass Alarmsysteme zur Verfügung stehen, mit deren Hilfe die Verdachtsfälle an die Einrichtung überwiesen werden.

In der Hauptstadt Monrovia unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Behörden und schult medizinisches Personal im JFK- und im Elwa-Krankenhaus. In der JFK-Klinik wurde von der Organisation eine Isolierstation eingerichtet.

In der Umgebung von Margibi, östlich von Monrovia, wurde von einem lokalen Unternehmen eine kleine Isolierstation aufgebaut. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Einrichtung mit technischem Know-how und hat eine Ausbildung für lokales Gesundheitspersonal organisiert. In der Gegend gab es zwei bestätige Ebola-Fälle – beide Erkrankte verstarben.

Neuer Virusstamm ohne Auswirkungen auf Art der Versorgung

Eine Gruppe von internationalen Medizinern und Wissenschaftlern, darunter vier Epidemiologen von Ärzte ohne Grenzen, haben eine Studie durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass in der Region seit einiger Zeit ein etwas anderer Stamm des Ebola-Virus als der zuvor identifizierte Zaire-Stamm kursiert.

"Diese neuen Ergebnisse, die im ‚New England Journal of Medicine‘ veröffentlicht wurden, legen nahe, dass das Virus nicht aus einem anderen Teil von Afrika eingeschleppt wurde“, sagt Hilde de Clerck, eine Ärzte ohne Grenzen-Epidemiologin, die an der Studie mitgearbeitet hat. "Dies hat jedoch keine medizinischen Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Ärzte ohne Grenzen in Guinea und Liberia auf den Ausbruch reagiert."

*Den offiziellen Zahlen der Gesundheitsbehörden in Guinea zufolge gibt es seit Mitte April 197 Menschen mit Verdacht auf Ebola – 122 von ihnen sind gestorben. In Liberia liegt die Zahl bei 27 Menschen mit Ebola-Verdacht, von denen 13 gestorben sind.