Peru

Ärzte ohne Grenzen versorgt Überlebende in der Erdbebenregion

Nach dem schweren Erdbeben in Peru hat Ärzte ohne Grenzen mit der medizinischen Versorgung und psychologischen Betreuung Überlebender in zwei Gemeinden östlich der Stadt Pisco begonnen. Die Mitarbeiter werden zudem Hygiene-Sets, Decken und Plastikplanen verteilen. Die Küstenstadt Pisco liegt in der vom Beben besonders betroffenen Region südlich der Hauptstadt Lima. Tausende Menschen sind hier obdachlos geworden. Ein zweites Team erkundet derzeit den Bedarf für weitere Nothilfeprojekte in abgelegeneren Gebieten.

In den östlich von Pisco gelegenen Städten Humay und Independencia mit 6.000 beziehungsweise 12.000 Einwohnern sind durch das Beben Gesundheitseinrichtungen zerstört worden. Die Überlebenden sind hier bisher ohne jede Hilfe. Ärzte ohne Grenzen hat 12 Tonnen Hilfsgüter in die Region geflogen und mit der medizinischen Grundversorgung der Menschen begonnen. In einem Spezialzelt können kleinere Operationen durchgeführt werden. Das Team wird auch Hygiene-Sets, Decken und Plastikplanen verteilen. Die Menschen leben derzeit unter freiem Himmel und nachts sinken die Temperaturen auf sechs bis acht Grad.

Ein Nierenspezialist soll Patienten mit Crush-Syndom behandeln

Ein Nierenspezialist ist auf dem Weg in die Erdbebenregion. Er soll dabei helfen, Menschen mit Crush-Syndrom zu behandeln. Dieses Syndrom tritt häufig nach Erbeben auf. Bei diesem können starke Muskelverletzungen unbehandelt zu Nierenversagen und zum Tod führen.

Das medizinische Team von Ärzte ohne Grenzen arbeitet eng mit Kollegen zusammen, die sich um die psychische Verfassung der Überlebenden kümmern. Die Betroffenen haben häufig alles verloren - auch Freunde und Angehörige. Um ihnen zu helfen, werden die Psychologen eng mit in den Gemeinden bestehenden Gruppen und Netzwerken zusammenarbeiten. Die psychologischen Mitarbeiter unterstützen auch Schwerverletzte, die nach Pisco oder Lima verlegt werden. Wie wichtig diese Betreuung ist, haben andere Nothilfeeinsätzen, wie der nach dem Erdbeben in Kaschmir 2005 gezeigt. Psychologische Unterstützung hilft den Menschen, den doppelten Schock aus schwerer Verletzung und Trauer angesichts der Zerstörung und des Verlusts zu verarbeiten.

Viele Gebiete sind noch ohne jede Hilfe

In Pisco selbst wurde das Krankenhaus durch das Beben stark beschädigt. Die Verletzten werden vom einheimischen medizinischen Personal im Stadtpark versorgt. Die meisten der rund 16.000 obdachlosen Überlebenden haben damit begonnen, die Stadt zu verlassen. Sie versuchen, bei Verwandten und in nahe gelegenen Orten Zuflucht zu finden. "Viele dieser Gebiete sind noch ohne jede Hilfe", beschreibt Luis Encinas, Nothilfekoordinator in Peru die Situation. "Es fehlt an Wasserstellen und Medikamenten."

Ein zweites Team von Ärzte ohne Grenzen erkundet derzeit den Bedarf für weitere Projekte in abgelegeneren Gebieten. Sollte sich in den kommenden Tagen abzeichnen, dass mehr Hilfe nötig ist, werden mehr Mitarbeiter und Hilfsgüter entsendet.

Derzeit sind 12 internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen vor Ort. Unter ihnen sind Ärzte, Logistiker, Psychologen sowie Wasser- und Sanitärexperten. Sie arbeiten eng mit peruanischen Kollegen zusammen.

Die peruanische Küste war in der Nacht zum 15. August von einem schweren Erdbeben der Stufe 8 auf der Richterskala erschüttert worden. Mehr als 500 Menschen starben, 2.000 wurden verletzt.