Simbabwe

Ärzte ohne Grenzen nimmt Arbeit in Gefängnissen auf

Während der Cholera-Epidemie behandelte Ärzte ohne Grenzen in der Chiwardizo Klinik in Bindura zahlreiche Patienten.

Ärzte ohne Grenzen hat Mitte Juli 2009 eine Intervention im Gefängnis der Stadt Kwekwe, in der Provinz Midland, in Simbabwe begonnen. Die Arbeit konzentriert sich auf die Basisgesundheitsversorgung und die Versorgung der Insassen mit therapeutischen Nahrungsmitteln, da von ihnen einige schwer mangelernährt sind. Zusätzlich sollen die schlechten Wasser- und Sanitärbedingungen in den Gefängnissen - unter anderem zur Choleravorsorge - verbessert werden. Das Gefängnis in Kwekwe ist die erste von sieben Einrichtungen, in denen Ärzte ohne Grenzen in den nächsten vier Monaten arbeiten wird.

"In Kwekwe haben wir festgestellt, dass 17 Prozent der 179 Gefangenen mangelernährt sind. Wir haben Gefangene entdeckt, die zerrissene Kleidung und Uniformen getragen haben und während der kältesten Monate in Simbabwe keine Decken hatten, auch wenn die Vollzugsbeamten bei eingeschränkten Möglichkeiten oft ihr Bestes getan haben", sagte Pip Millard, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen.

Es wurden erhebliche Bedürfnisse gefunden, nachdem Ärzte ohne Grenzen das erste Mal Zugang zu zwei Gefängnissen während des Choleraausbruchs Anfang des Jahres hatte. "Ende Februar wurden wir von Gefängnisverantwortlichen in zwei Orten angesprochen, in denen wir gearbeitet haben, und gebeten, sie beim Umgang mit der Cholera in ihren Einrichtungen zu unterstützen. Wir haben zuerst im Gefängnis in Kadoma mit der Arbeit begonnen. Das war das erste Mal, dass wir mit schweren Fällen von Mangelernährung in den Gefängnissen konfrontiert wurden. Die Bedingungen waren höchst beunruhigend. Die Gefangenen sind aufgrund fehlender Nahrungsmittel fast verhungert", sagte Landeskoordinatorin Rian van de Braak.

Kurz danach hat Ärzte ohne Grenzen eine Notfallintervention im Gefängnis in Bindura begonnen und therapeutische Nahrungsmittel für die schwer mangelernährten Insassen und Nahrungsmittel für die weiteren Gefangenen bereitgestellt. Außerdem wurden grundlegende Wasser- und Sanitärmaßnahmen durchgeführt, um die sanitäre Situation zu verbessern und die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser zu gewährleisten.

 

Mangelernährung und problematische Wasser- und Sanitärsituation

Infolge einer guten Zusammenarbeit mit dem Justiz- und Gesundheitsministerium hat Ärzte ohne Grenzen seine Aktivitäten außerhalb der ersten beiden Interventionen in Kadoma and Bindura ausgeweitet. Zwei Teams haben kurzfristig die Gesundheit, Ernährung sowie die Wasser- und Sanitärsituation in 15 Gefängnissen untersucht. Der Bodymaßindex (BMI) und der Oberarmumfang (MUAC) wurden bei fast 2.000 Gefangenen berechnet. Kurzfristige medizinische Untersuchungen wurden gemeinsam mit den Gefängnismitarbeitern an jedem der begutachteten Standorte durchgeführt. Die Erfassung der Ernährungssituation hat gezeigt, dass vier Prozent der Insassen schwer mangelernährt, fünf Prozent mangelernährt und 14 Prozent gefährdet sind. "Unsere Wasser- und Sanitäranalyse hat ergeben, dass eine grundlegende und verlässliche Wasserversorgung oft fehlte, und es keine Möglichkeit neben den gelegentlichen Blechkanistern gab, Wasser zu lagern. Der Zustand der Latrinen war aufgrund des fehlenden Spülwassers oft furchtbar. Seife oder andere Desinfektionsmittel gab es nicht", sagte Nick Rowe, Wasser- und Sanitärexperte von Ärzte ohne Grenzen. Nach Kwekwe wird das Team seine Arbeit in den Gefängnissen in Murewa, Motoko, Guruve, Chivu, Gokwe und Marondera fortsetzen. Neben der aktuellen Intervention will Ärzte ohne Grenzen sich für die Mitarbeit weiterer Akteure einsetzen, so dass eine größere Bandbreite und langfristige Unterstützung gewährleistet werden kann.