Japan

Ärzte ohne Grenzen leistet psychologische Hilfe

Die medizinische Hilfe geht weiter, wie hier in diesem Evakuierungszentrum in Minami Sanriku.

Ärzte ohne Grenzen wird ein sechsköpfiges Psychologen-Team unterstützen, das Überlebende im Erdbebengebiet im Nordosten Japans betreut.

Ein zwölfköpfiges Team von Ärzte ohne Grenzen hat bisher Patienten mit chronischen Krankheiten in einem der am stärksten betroffenen Gebiete behandelt. Anfang dieser Woche ist zusätzlich ein Psychologe entsandt worden, der den Bedarf an psychologischer Betreuung evaluiert hat.

"Viele Menschen befinden sich nun in der Phase einer akuten Belastungsstörung, was angesichts dieser traumatischen Erfahrung eine völlig normale Reaktion ist", erklärt Ritsuko Nishimae, ein klinischer Psychologe, der in dem Team von Ärzte ohne Grenzen in Minami Sanriku arbeitet.

"Wenn die Menschen jetzt keine angemessene psychologische Unterstützung erhalten, dann besteht die erhöhte Gefahr, dass sie eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln" erklärt der Psychologe.

Nishimae ist seit zwei Tagen im Erdbebengebiet im Einsatz, hat sich umfassendes Bild der Bedürfnisse der Menschen gemacht und betreut Überlebende.

"Ich spreche mit ihnen und höre mir an, was sie erlebt haben und was sie jetzt brauchen. Schritt für Schritt öffnen sie sich mir gegenüber und drücken ihre Gedanken und Gefühle aus. Dieser Prozess ist wesentlich für die Stressbewältigung" erklärt Nishimae.Die Psychologen, mit dem Ärzte ohne Grenzen jetzt zusammenarbeiten wird, kommen von der Japanischen Gesellschaft klinischer Psychologen. Ärzte ohne Grenzen wird gemeinsam mit ihnen untersuchen, welche Menschen Hilfe brauchen und wird ihnen logistische Unterstützung leisten.

Die medizinischen Teams arbeiten weiterhin in den Evakuierungszentren in Minami Sanriku in der nördlichen Provinz Miyagi. Sie unterstützen auch einen einheimischen Arzt in der Stadt Taro in der Provinz Iwate. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Behandlung von älteren Menschen, die an chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes leiden.

Am Mittwoch hat Ärzte ohne Grenzen 10.000 Hygiene-Boxen mit Seife, Zahnbürsten, Zahnpasta und Handtüchern an die Menschen in den Evakuierungszentren in Minami Sanriku verteilt. Am Freitag und Samstag werden die Mitarbeiter Hilfsgüter wie Batterien, Kerzen, Zündhölzer und Handtücher an 4.000 Menschen verteilen. Die Teams beobachten täglich Verbesserungen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser sowie bei der Stromversorgung.

Die Notfallphase des Katastrophen-Reaktionsplans geht langsam zu Ende: Die japanischen medizinischen Katastrophenteams haben sich zurückgezogen. Langsam übernehmen die lokalen Behörden wieder die Verantwortung für die medizinische Versorgung.

Ärzte ohne Grenzen wird seine laufenden medizinischen Aktivitäten in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden fortsetzen und die Lage vor allem in abgelegenen Gebieten überwachen, wo die Teams bei Bedarf zusätzliche Unterstützung leisten können.

Die nationalen Hilfsmaßnahmen der Regierung und von Nichtregierungsorganisationen sind nach wie vor enorm und weiten sich permanent aus. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen werden aber weiterhin vor Ort bleiben, um bei Bedarf Lücken zu füllen und Patienten zu behandeln.