Demokratische Republik Kongo

Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Nothilfe im umkämpften Nord-Kivu - Noch immer kommt es zu neuen Vertreibungen

Cholera-Behandlungszentrum in Kibati.

Ärzte ohne Grenzen leistet in der Stadt Goma sowie anderen Orten und Lagern in der umkämpften Region Nord-Kivu weiterhin Hilfe. Insgesamt sind mehr als 700 Mitarbeiter vor Ort aktiv. Immer wieder kommt es zu neuen Vertreibungen und Hunderttausende Vertriebene aber auch die lokale Bevölkerung haben nicht ausreichend medizinische Hilfe, Nahrung, Unterkünfte und sauberes Wasser. Durch die Kämpfe und Vertreibungen sind die Krankheitsrisiken gestiegen: Die Teams behandeln noch immer Cholera-Patienten und impfen Tausende Kinder gegen Masern.

Am 24. November konnten Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen nach Kayna und Kanyabayonga zurückkehren, wo es Mitte November zu heftigen Kämpfen gekommen war. Die Bevölkerung war wegen der Kämpfe aus den Dörfern geflüchtet und mit ihr große Teile des medizinischen Personals. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen fanden viele Gesundheitszentren verlassen und geplündert vor und sorgten für Nachschub an dringend benötigten Medikamenten. Sowohl in den Gesundheitszentren als auch im Krankenhaus von Kayna versorgen sie derzeit zahlreiche Patienten, bis das lokale Krankenhauspersonal in ausreichender Zahl zurückgekehrt ist.

Außerdem unterhält Ärzte ohne Grenzen in Kayna, Kanyabayonga und Kirumba mobile Gesundheitsstationen, in denen täglich rund 350 Patienten behandelt werden. Weitere Teams sorgen für medizinische Versorgung in vier umliegenden Dörfern, in denen täglich neue Vertriebene eintreffen und die Gesundheitsstationen mangels Ausrüstung und Personal nicht funktionsfähig sind. Ärzte ohne Grenzen ist zur Zeit die einzige Hilfsorganisation, die in dieser Region aktiv ist.

Teams stoßen in neue Regionen vor, um Menschen zu helfen

In Mweso in der Masisi-Region verstärkt Ärzte ohne Grenzen derzeit sein Engagement, nachdem es hier aufgrund von Kampfhandlungen zu neuerlichen Vertreibungen gekommen war. Ein Team ist auf dem Weg in die Regionen westlich von Mweso, um Kranken zu helfen.

In der Stadt Masisi musste Ärzte ohne Grenzen am letzten Novemberwochenende wegen der Kämpfe seine Aktivitäten in den Gesundheitsstationen einstellen und sich auf die Versorgung der Patienten im Krankenhaus beschränken. 4.000 Kinder wurden hier in letzter Zeit gegen Masern geimpft, nachdem es zu einer starken Häufung von Masern-Fällen gekommen war. Auch in Nyanzale unterstützte ein Team von Ärzte ohne Grenzen das Gesundheitspersonal bei einer Masern-Impfung von 1.743 Kindern, vier Kinder aus der Region sind in den vergangenen Tagen an der Krankheit gestorben.

Cholera-Ausbruch in Lunyasenghe

In Lunyasenghe am Ufer des Edward-Sees reagiert ein Team auf den Verdacht eines Cholera-Ausbruchs. Zwischen dem 18. und 30. November wurden hier 75 Fälle von Cholera gemeldet, zwölf Erkrankte starben. "Nach Lunyasenghe kommen Tausende von Vertriebenen", sagt der Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kayna, Salha Issoufou. "Wir befürchten, dass sich die Krankheit unter den 5.000 Vertriebenen und der lokalen Bevölkerung ausbreiten könnte."

Im Krankenhaus der Stadt Rutshuru geht die Zahl der Cholera-Fälle derweil zurück. In der ersten Dezemberwoche wurden hier 49 Cholera-Patienten behandelt, in der Vorwoche waren es noch 92 gewesen. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich auch in Rubare, wo zuletzt 18 Fälle anstelle der 25 der Vorwoche verzeichnet wurden.

Auch in Goma und Umgebung nimmt die Zahl der Cholera-Patienten ab. Das Lager im nördlich von Goma gelegenen Kibati zählte in der letzten Novemberwoche nur noch 40 Fälle. Das ebenfalls in Goma gelegene Don Bosco-Waisenhaus meldete 15 Fälle, in der Vorwoche waren es noch 40 gewesen.

Im Provinzkrankenhaus von Goma führte ein Chirurgenteam von Ärzte ohne Grenzen in den letzten zwei Novemberwochen mehr als 20 Operationen durch. Westlich von Goma sind Mitarbeiter der Organisation im mittlerweile voll ausgelasteten Krankenhaus von Kirotshe aktiv. 149 Patienten sind hier stationär aufgenommen, in der letzten Novemberwoche wurden 438 Untersuchungen und zehn Notoperationen durchgeführt.