Libyen

Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Hilfe in Krankenhäusern in Tripolis

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben damit begonnen, medizinisches Material in die Krankenhäuser der Hauptstadt Tripolis zu bringen. Am Donnerstag besuchte ein Team der Organisation drei Gesundheitseinrichtungen, in denen es massive Engpässe an lebensrettenden Medikamenten und medizinischem Material gibt. Sie stellten Verbandsmaterial, Antibiotika, Narkose- und Schmerzmittel zur Verfügung. Einige Einrichtungen benötigen auch medizinische Ausrüstung für Operationen wie externe Fixatoren für Knochenbrüche und Sauerstoff, was Ärzte ohne Grenzen in den kommenden Tagen dorthin liefern wird.

In die Krankenhäuser in Tripolis wurden sehr viele Schwerverletzte eingeliefert. In einer der Kliniken haben die Ärzte allein am ersten Tag der Kämpfe in der Hauptstadt 100 Verwundete behandelt. In den vergangenen Tagen wurden dort 90 Patienten mit komplizierten Knochenbrüchen versorgt.

Die Gesundheitseinrichtungen in Tripolis verfügen nicht über die notwendige Infrastruktur, um mit einer solchen Notfallsituation zurecht zu kommen. Das betrifft besonders die schnelle Diagnose und Priorisierung von Notfallpatienten. Außerdem gibt es zu wenig Betten auf Intensivstationen und den Stationen zur chirurgischen Nachbehandlung. Ärzte ohne Grenzen bereitet sich darauf vor, in den nächsten Tagen zusätzliches medizinisches Material in die Krankenhäuser zu bringen.

Das Team von Ärzte ohne Grenzen versucht in den kommenden Tagen, die Lage in weiteren Gesundheitseinrichtungen der Stadt zu erkunden, soweit dies die Sicherheitslage erlaubt. Im Moment befinden sich drei Mitarbeiter in Tripolis, in Kürze werden weitere Teams aus Tunesien und anderen Städten Libyens dazu stoßen.

Nothilfe auch in Sawija und Slitan

Ärzte ohne Grenzen hat auch Teams nach Slitan östlich von Tripolis sowie nach Sawija im Westen der Hauptstadt entsandt, um die Krankenhäuser dort zu unterstützen, in die viele Verwundete kommen. In Sawija unterstützen medizinische Mitarbeiter und ein OP-Team die Klinik, insbesondere die Teams im Operationssaal, in der Intensivstation und dem Aufwachraum. Allein am Montag wurden dort 60 Verwundete eingeliefert, am Mittwoch weitere 40. Mittlerweile werden viele Verwundete aus Tripolis und dem Gebiet zwischen Tripolis und Sawija dorthin gebracht.

In Slitan hat Ärzte ohne Grenzen dem Krankenhaus Operationsausrüstung, Medikamente und medizinisches Material zur Verfügung gestellt. In den kommenden Tagen werden ein Krankenpfleger, ein Anästhesist und ein Frauenarzt von Ärzte ohne Grenzen das libysche Ärzteteam unterstützen.

Weitere Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Libyen

Seit dem 15. Juni unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme, die Operationssäle und die Station für chirurgische Nachsorge des Krankenhauses in Jafran in den Nafusa-Bergen mit medizinischem Personal und Material. Zwischen Juli und August hat sich die Zahl der verwundeten Patienten verdoppelt. Mittlerweile hat sich jedoch die Situation in und um Jafran beruhigt. In Zintan bietet Ärzte ohne Grenzen in Gesundheitseinrichtungen psychologische Hilfe für die Opfer von Gewalt an.

Einige Verletzte sind von Tripolis aus in Krankenhäuser nach Misrata überführt worden. Sechs Verwundete wurden am Mittwoch im Krankenhaus Qasr Ahmed aufgenommen, in dem Ärzte ohne Grenzen seit April Operationen durchführt. Weiterhin leistet Ärzte ohne Grenzen psychologische Hilfe sowie Physiotherapie für bereits operierte Patienten in Misrata. Darüber hinaus unterstützen die Teams medizinische Einrichtungen für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie einige Gefängnisse mit medizinischer Grundversorgung und psychologischer Hilfe.

In Bengasi leistet Ärzte ohne Grenzen ebenfalls psychologische Unterstützung für Patienten, insbesondere für Vertriebene, die in Lagern rund um die Stadt untergebracht sind. Am Mittwoch wurden Verwundete aus Bengasi in die jordanische Hauptstadt Amman überführt, wo Ärzte ohne Grenzen Wiederherstellungschirurgie leistet.