Italien

Ärzte ohne Grenzen leistet auf Lampedusa medizinische und psychologische Hilfe für Migranten

Migranten, die im März den Hafen von Lamepdusa erreichten.

Am Mittwoch halfen Ärzte ohne Grenzen und andere auf der Insel tätige Organisationen etwa 50 Überlebenden des Bootsunglückes vor der italienischen Insel Lampedusa. 15 Menschen sollen bei dem Schiffbruch ums Leben gekommen sein. Die Küstenwache sucht noch immer nach etwa 150 bis 250 vermissten Migranten.

Das medizinische Team von Ärzte ohne Grenzen teilte die Überlebenden kurz nach ihrer Ankunft basierend auf dem Grad ihrer Verletzungen in Gruppen ein. "Wir wurden rechtzeitig über die Ankunft der Überlebenden informiert und trafen deswegen schnell am Hafen ein. Sie waren in einem guten gesundheitlichen Zustand, aber die meisten von ihnen litten unter einem schweren Schock. Wir gaben ihnen Decken, um sie vor Unterkühlung zu schützen", erzählt Angelina Perrli, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen. Sobald die Migranten in den Zentren waren, wurden medizinische Nachuntersuchungen durchgeführt. In den meisten Fällen litten die Betroffenen an Magen-Darm-Beschwerden, Lungenproblemen und Infektionen der Atemwege.

Im Zustand völliger Erschöpfung

Viele Menschen kommen weiterhin als Folge der schwierigen Bedingungen auf ihrer Reise extrem erschöpft auf der Insel an. Ein junger Somali, der das Unglück überlebt hatte, erzählte: "Ich habe mich im Gesicht verletzt als Wasser in das Boot eindrang...ich kann schwimmen, aber zwei andere Passagiere hielten sich an mir fest, um nicht zu ertrinken...ich kämpfte, um zu überleben." Die Menschen, die gerettet wurden, erzählten dem Team auch, dass einige schwangere Frauen schon während der Reise starben.

"Während der vergangenen Woche haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 600 Migranten aus Libyen untersucht. Sie kommen hauptsächlich aus Subsahara-Afrika und fliehen vor Konflikten oder sehr schwierigen sozioökonomischen Bedingungen", erklärt Aurélie Ponthieu, Expertin von Ärzte ohne Grenzen zum Thema Migration.

Psychologische Hilfe ist wichtig

Die Überlebenden der langen und beschwerlichen Reise brauchen psychologische Hilfe. Deswegen entschied sich Ärzte ohne Grenzen dafür, die Migranten auch psychologisch zu unterstützen, die eine ungewisse Zukunft in den Lagern erwartet.

Das Team von Ärzte ohne Grenzen besteht im Moment aus einem Koordinator, einem Arzt, einer Krankenschwester, zwei kulturellen Mediatoren, einem Logistiker und einer Psychologin. Ärzte ohne Grenzen kümmert sich um die Patienten am Militärhafen ebenso wie um die medizinische Nachversorgung in den Auffang- und Internierungslagern der Insel. Außerdem evaluiert Ärzte ohne Grenzen die Lebensbedingungen der Migranten und deren Zugang zu medizinischer Hilfe in den italienischen Lagern.

Ärzte ohne Grenzen akzeptiert für die Arbeit in Italien keine staatlichen Gelder. Die Aktivitäten werden ausschließlich aus privaten Spenden finanziert.