Jemen

Ärzte ohne Grenzen findet 56 Leichen an Küste - Hilfe für Bootsflüchtlinge, die gefährliche Überfahrt überleben

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen behandeln Überlebende der gefährlichen Flucht über das Meer.

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen hat am Samstag an der Küste Jemens 56 Leichen gefunden. Laut Angaben von Überlebenden hatten sich die Menschen einige Tage zuvor aus Bossaso in Somalia per Boot auf den Weg in den Jemen gemacht. Das Boot mit insgesamt 148 Menschen an Ort sei bei der Ankunft gekentert, einige Menschen seien schon während der Überfahrt gestorben. Für die Überlebenden leistete Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe. Seit September 2007 betreibt die Organisation ein Projekt für Bootsflüchtlinge und -migranten im Süden des Jemens. Die meisten dieser Menschen stammen aus Somalia und Äthiopien.

Als das Team von Ärzte ohne Grenzen am Samstagmorgen in der Nähe von Arqa ankam, trafen die Helfer zunächst auf eine Gruppe von 49 Menschen, davon waren zehn Frauen. Auf einem fünf Kilometer langen Küstenabschnitt waren Dutzende von Leichen angeschwemmt worden. Die Mitarbeiter fanden 56 Leichen, mehr als die Hälfte davon waren Frauen, zudem waren fünf Kinder darunter. Die Überlebenden berichteten dem Team, das Boot sei gekentert und viele Passagiere seien darin gefangen gewesen. Es ist daher davon auszugehen, dass noch mehr Menschen bei dem Unglück ums Leben kamen.

Den Angaben zufolge verließ das Boot Bossaso am 12. Dezember. Das etwa acht Meter lange Fiberglasboot hatte demnach 148 Menschen aus Somalia und Äthiopien an Bord. Etwa 40 Frauen und mindestens fünf Kindern seien darunter gewesen. Während der Überfahrt hätten die Flüchtlinge weder Wasser noch Nahrung zur Verfügung gehabt. Im Rumpf des Bootes hätten sich mindestens 20 Äthiopier aufgehalten. Mindestens vier Menschen seien während der Reise aufgrund der harten Bedingungen gestorben.

Überlebende berichteten weiter, das Boot sei gegen Mitternacht vor der Küste angekommen und habe in großer Entfernung angehalten. Die Passagiere seien gezwungen worden, ins Wasser zu springen. Diejenigen, die sich weigerten, seien massiv geschlagen worden. In der aufkommenden Panik sei das Boot dann gekentert.

An der Küste trafen die Helfer von Ärzte ohne Grenzen viele erschütterte Menschen, die nach Verwandten suchten. Ein 25 Jahre alter Somali aus Merca berichtete, er habe seine Frau, zwei Kinder und zwei weitere nahe Verwandte verloren. "Ich habe keine Wahl. Auch wenn ich auf See sterben muss, mache ich mich auf den Weg in den Jemen. Vielleicht habe ich eine Chance zu Überleben, aber wenn ich nach Mogadischu zurückgehe, werde ich sterben", erzählte ein Mann aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu.

Ärzte ohne Grenzen leistete medizinische Hilfe für die Überlebenden. Viele hatten Stichwunden am Körper. Die Helfer versorgten die Wunden mit Verbänden und verteilten Nahrungsmittel und Hilfsgüter. Zudem boten sie psychologische Hilfe an, da viele der Flüchtlinge mehr als einen Angehörigen oder Freund verloren hatten.

Ärzte ohne Grenzen startete das Projekt für Flüchtlinge und Migranten im Jemen im September 2007. Die meisten stammen aus Somalia und Äthiopien. Sie überqueren den Golf von Aden, der zwischen dem Horn von Afrika und der arabischen Halbinsel liegt, unter sehr schwierigen Bedingungen. Schätzungen zufolge haben seit Anfang 2007 etwa 28.000 Menschen die Küste des Jemen erreicht, mindestens 593 Migranten sind bei dem Versuch der Überquerung gestorben und 659 wurden als vermisst gemeldet.