Ärzte ohne Grenzen erweitert chirurgische Hilfe in Gaza Stadt mit mobilen Krankenhauszelten

Nachoperative Betreuung durch einen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen.

Gestern begannen medizinische Teams von Ärzte ohne Grenzen mit der Durchführung chirurgischer Eingriffe in mobilen, aufblasbaren Krankenhäusern. Sie waren in der vergangenen Woche von Logistikern der Organisation aufgebaut worden. In den beiden Zelten sind Operationssäle untergebracht sowie eine Station mit 12 Betten, die als Aufwachraum und zur nachoperativen Behandlung dient.

Am ersten Tag wurden drei Patienten operiert: ein 2-jähriges Mädchen mit mehreren Brandwunden, ein 4-jähriges Mädchen, das eine Hauttransplantation benötigte, sowie ein 22-jähriger Mann mit schweren Verletzungen an der Hand. Alle drei Patienten waren durch Bomben verletzt worden. Für den heutigen Tag sind fünf Eingriffe geplant, weitere werden in den kommenden Tagen folgen.

Spezialisierte Behandlung für Kriegsopfer

Während der vergangenen Tage hat Ärzte ohne Grenzen ausführliche Erkundungen im Gazastreifen durchgeführt. Dabei stelle sich heraus, dass es einen großen Bedarf an spezialisierter chirurgischer Hilfe für diejenigen Menschen gibt, die bei den intensiven Kämpfen zwischen israelischer Armee und Hamas während der ersten drei Januarwochen verletzt worden sind.

Während der Kämpfe konnten viele Verwundete nur provisorisch in den überfüllten Krankenhäusern versorgt werden, in denen sie schnell Platz für neue Patienten machen mussten. Viele Patienten benötigen nun aufgrund der unzureichenden Erstbehandlung weitere chirurgische Behandlungen.

"Wir haben es hier mit Kriegschirurgie zu tun," sagt Marie-Noelle Rodrigue, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Gaza. "Es gibt viele orthopädische Fälle. Viele Patienten benötigen aufgrund schwerer Brandwunden Hauttransplantationen, und bei vielen Patienten muss infiziertes oder abgestorbenes Gewebe entfernt werden. Es ist momentan schwer abzuschätzen, wie viele Menschen spezialisierte chirurgische Eingriffe benötigen, aber es ist anzunehmen, dass die Zahlen mit Bekanntwerden des Behandlungsangebots steigen werden." Zudem wurde mit dem Al Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt und anderen Gesundheitseinrichtungen im Gazastreifen ein Überweisungssystem eingerichtet, und auch aus Kliniken von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Khan Younis, im Süden des Gazastreifens, und der Kinderklinik der Organisation in der nördlich gelegenen Stadt Beit Lahia werden Patienten zur chirurgischen Behandlung nach Gaza-Stadt geschickt.

Das chirurgische Team von Ärzte ohne Grenzen besteht zurzeit aus 25 Mitarbeitern, darunter drei Chirurgen, zwei Anästhesisten, einem OP-Krankenpfleger, sechs Krankenschwestern bzw. -pflegern und 13 weiteren Mitarbeitern. Das gesamte Team in Gaza setzt sich derzeit aus 80 palästinensischen und 13 internationalen Mitarbeitern zusammen.

Psychosoziale Hilfe ausgebaut

Auch die bestehenden Programme im Bereich der psychosozialen Hilfe werden nun durch die Entsendung zweier zusätzlicher Psychologen ausgebaut. Besondere Bedürfnisse wurden beim Gesundheitspersonal, darunter Rettungsfahrer und medizinisches Notfallpersonal, festgestellt. "Sie zählen bei Konflikten oft zu den Vergessenen", sagt Rodrigue. "Aber sie tragen angesichts dessen, was sie miterleben mussten, eine große Last." Besonders betroffen sind Rettungskräfte im Norden Gazas, die die israelische Bodeninvasion in vollem Ausmaß erlebten.