Südsudan

Ärzte ohne Grenzen behandelt Verwundete nach Luftangriff im Grenzgebiet zum Sudan

Ambulanz der Klinik in Agok, Südsudan, wo Ärzte ohne Grenzen nach den jüngsten Luftangriffen Verletzte behandelte.

Nach einem Luftangriff im Grenzgebiet zwischen Nord- und Südsudan mit Dutzenden Verwundeten behandeln Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen Verletzte. Der Angriff ereignete sich am Dienstag in dem Ort Abiemnom im Bundesstaat Unity im Südsudan nahe der umkämpften Region Abyei. Schon seit ein paar Wochen ist die Gegend Schauplatz zunehmender Gewalt. Die Lage ist völlig unberechenbar.

Das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Agok, das 36 Kilometer vom Ort des Angriffs entfernt liegt, nahm in den Nachmittagsstunden des 10. April vier Patienten auf - eine Frau und drei Kinder. Alle vier waren schwer verwundet und mussten mehrfach operiert werden. Ihr Zustand hat sich aber mittlerweile stabilisiert. Das Team von Ärzte ohne Grenzen in Agok stellte dem staatlichen Gesundheitszentrum in Abiemnom außerdem Medikamente und medizinische Ausrüstung zur Verfügung, so dass dort 40 Verwundete behandelt werden konnten.

"Hier tritt ein Notfall nach dem anderen auf"

"In dieser Region leben die Menschen direkt an der Front. Hier tritt ein Notfall nach dem anderen auf. Unser Team tut sein Bestes, um die dringendsten Bedürfnisse der Menschen, seien es Nahrungsmittel, Unterkünfte oder Gesundheitsversorgung, zu stillen. Wir versuchen, allen Bevölkerungsgruppen in der Region eine umfassende medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen und Leben zu retten", sagt Emmanuel Roussier, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan.

Seit den Zusammenstößen in der Region Abyei im Mai 2011 betreibt Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken in der ganzen Region. Insgesamt können so etwa 100.000 Menschen versorgt werden. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen beobachten besonders die Lage der Menschen in den umkämpften Gebieten und der Vertriebenen. Alle schwer Erkrankten und Verwundeten werden im Krankenhaus der Organisation in Agok weiterbehandelt.

Kinder sind von Mangelernährung und Masern bedroht

Ärzte ohne Grenzen ist auf weitere Verwundete vorbereitet, falls sich die Kämpfe fortsetzen. Außerdem wurden Möglichkeiten geschaffen, um die Gesundheitsversorgung auszuweiten und um Materialien zum Bau von Notunterkünften und Hilfsgüter zu verteilen.

Nach einer Untersuchung der Ernährungssituation in der Region im November 2011 hat Ärzte ohne Grenzen mit der Verteilung von Zusatznahrung für Kinder unter fünf Jahren begonnen. Bisher konnten 15.000 Kinder versorgt werden. Ärzte ohne Grenzen führte außerdem eine Masern-Impfaktion durch.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2006 in der umkämpften Region Abyei. Nach gewaltsamen Zusammenstößen im Jahr 2008, die tausende Menschen zur Flucht in den Süden zwangen, errichtete Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus in Agok an der Grenze zwischen dem Bundesstaat Warrap im Südsudan und der Region Abyei. In dem Krankenhaus können Patienten ambulant und stationär behandelt werden. Es verfügt über einen Operationssaal, eine Geburtshilfe-, eine Kinder- und eine Tuberkulose-Station und über ein Ernährungszentrum für mangelernährte Kinder. 2011 wurden 31.187 ambulante Untersuchungen durchgeführt, 2.418 Patienten wurden stationär aufgenommen.