Südsudan

Ärzte ohne Grenzen behandelt nach brutaler Gewalt Dutzende Schwerverletzte. Ein Patient berichtet.

Wie dieser Patient haben viele Menschen in Pibor schreckliche Ereignisse hinter sich

Im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei leiden Zivilisten weiterhin unter Kämpfen zwischen verschiedenen Volksgruppen. Auch drei Wochen nach dem gewaltsamen Angriff auf die Stadt Pibor und die umliegenden Dörfer kommen Verwundete im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Pibor an. Tausende verstecken sich noch immer aus Angst im Busch. Die medizinischen Teams der Organisation behandeln schwere Wundinfektionen, von denen einige bereits mehrere Wochen alt sind.

"Wir beobachten eine Spirale der Gewalt im gesamten Norden des Bundesstaats Jonglei", erklärt Jose Hulsenbek, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. "Für die Bewohner in dieser Gegend des Südsudans gehört die Angst davor, getötet zu werden oder fliehen zu müssen, zum Alltag." Es ist ein besorgniserregendes Muster der Attacken, dass die Bewohner und ihre knappen Ressourcen gezielt angegriffen wurden. Die bewaffneten Gruppen aller Parteien haben Krankenhäuser, Gesundheitsstationen und Wasserstellen zerstört.

Ende Dezember waren zwei Kliniken von Ärzte ohne Grenzen in der Region geplündert und beschädigt worden. Südsudanesische Mitarbeiter der Organisation mussten vor den damit verbundenen Angriffen fliehen, die lebensrettende medizinische Hilfe im Gebiet um die Stadt Pibor vorübergehend ausgesetzt werden. Inzwischen wurde die Arbeit aber wieder aufgenommen.

Ärzte ohne Grenzen ist schockiert über den Tod von Allan Rumchar, der als Wachmann für die Organisation gearbeitet hat, und seiner Frau, infolge des Angriffs auf Pibor. Ärzte ohne Grenzen ist darüber hinaus äußerst besorgt um das Schicksal von 25 weiteren südsudanesischen Mitarbeitern, die drei Wochen nach dem Angriff immer noch vermisst werden.

Ein Patient (39 Jahre), der in Pibor bei einem Angriff am 31. Dezember 2011 angeschossen wurde, berichtet:

Als der Angriff auf mein Dorf stattfand, floh ich in den Busch. Ich hatte kein Essen und nur Wasser für die kleinen Kinder. Mir wurde in den Arm geschossen. Ich verbarg mich mit meiner Verletzung acht Tage lang im Busch. Ich blutete sehr stark. Manchmal nickte ich einfach ein. Nachts war es so schmerzhaft, dass ich nicht schlafen konnte. Ich brauchte drei Tage, um zum Krankenhaus zu laufen.

Ich hatte Glück. Nachdem ich angeschossen worden war, haben sie meine Familie nicht gefunden. Meine Angehörigen waren in den Fluss gerannt und blieben mit ihren Körpern ganz unter Wasser - nur ihre Münder hielten sie zum Atmen an der Oberfläche offen. Im Busch können sie einen finden, aber im Fluss, wenn du unter Wasser bleibst, finden sie dich nicht.

Wir sind sehr froh, dass Ärzte ohne Grenzen hier ist. Wir hatten gedacht, Ärzte ohne Grenzen würde bei uns nicht wieder aktiv werden, weil hier alles geplündert wurde. Wir hatten Angst, dass ihr nicht wiederkommen würdet. Wenn Ärzte ohne Grenzen nicht hier wäre, würde es mir jetzt nicht besser gehen. Vielleicht wäre ich sogar gestorben.

Mein Haus wurde vollkommen niedergebrannt, alles, wirklich alles. Ich weiß nicht, ob ich zurück nach Hause kann, denn so viele werden vermisst, viele sind tot. Wir wollen zurückkehren und Mais und Sorghum für die Kinder anbauen, aber jetzt gibt es dort nichts mehr.

Was wohl diejenigen, die noch am Leben sind, über all die Toten und Vermissten denken? Viele weinen noch, suchen nach ihren vermissten Kindern und Ehefrauen. Was können wir von der Zukunft erwarten?