Haiti

Ärzte ohne Grenzen behandelt fast 100.000 Cholera-Patienten

Die Ausbreitung der Cholera verlangsamt sich zur Zeit - doch noch gibt es keine Entwarnung.

Während Haiti jener Menschen gedenkt, die beim schweren Erdbeben vor einem Jahr ums Leben kamen, verlangsamt sich die Ausbreitung der Cholera in Port-au-Prince und im Norden des Landes. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind jedoch weiterhin in Alarmbereitschaft, da der Verlauf des Ausbruchs unberechenbar bleibt.

In den meisten Cholera-Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince und im Nord- und im Nordwest-Distrikt sinkt die Zahl neuer Patienten. In der Region Artibonite, in der die Cholera als erstes ausgebrochen war, sind die Zahlen stabil. Im Süden muss Ärzte ohne Grenzen derzeit wenige Patienten behandeln muss, die Zahl der Neuaufnahmen steigt aber leicht.

In einigen Behandlungseinrichtungen von Ärzte ohne Grenzen sind die Zelte nun leer, die vor kurzem noch mit Patienten gefüllt waren. Die Behandlung von Cholera zeigt rasch Wirkung, so dass Betroffene normalerweise innerhalb weniger Tage heimgehen können. Wenn die Zahl der Neuaufnahmen sinkt, nehmen daher auch gleichzeitig die gesamten Aktivitäten schnell ab.

"Cholera kann unberechenbar sein"

"Die sinkenden Patientenzahlen bedeuten nicht, dass wir den Kampf gegen die Cholera gewonnen haben", warnt Kate Alberti, Epidemiologin von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. "Cholera kann unberechenbar sein, besonders in einem Land, in dem es keine Erfahrung mit der Krankheit gibt. Die erwarteten Regenfälle können die Situation beeinflussen und die sozialen Unruhen können ebenfalls negative Auswirkungen haben." So schränkten etwa Demonstrationen und Gewalt den Zugang der Menschen zu Behandlung während des Höhepunkts des Cholera-Ausbruchs in der Hauptstadt Port-au-Prince Ende des vergangenen Jahres erheblich ein.

In der vergangenen Woche behandelte Ärzte ohne Grenzen landesweit 5.000 Patienten und Patientinnen in 50 Cholera-Einrichtungen. Damit steigt die Zahl der von Ärzte ohne Grenzen behandelten Menschen auf 97.000 seit Ausbruch der schweren Epidemie. Das sind mehr als die Hälfte der von den Gesundheitsbehörden gemeldeten 181.829 Cholerafälle. Nach offiziellen Zahlen starben seit dem 22. Oktober vergangenen Jahres 3.759 Menschen an der Cholera.

Entlegene Regionen und Dörfer werden unterstützt

Ärzte ohne Grenzen unterstützt Gebiete, in denen sich die Epidemie noch weiter ausbreiten wird und entlegene Regionen und Dörfer mit schlechter Gesundheitsversorgung.

Ärzte ohne Grenzen führt zudem in sieben eigenen Krankenhäusern und zwei Regierungskrankenhäusern in Port-au-Prince die laufende medizinische Hilfe fort. Die Teams leisten Notfallhilfe und Intensivmedizin, kümmern sich um Verbrennungsopfer und Risikogeburten. Außerhalb der Hauptstadt betreibt die Organisation ein Krankenhaus in Léogane und unterstützt eine öffentliche Klinik in Jacmel.

Rund 7.500 haitianische und 430 internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiten in den Programmen einschließlich der Cholera-Projekte.