Swasiland

„ Aber der Husten hörte nicht auf … “ – Eine Tuberkulosepatientin berichtet

Tuberkulose (TB) fordert jedes Jahr das Leben tausender Menschen mit HIV in Afrika. Einer von vier Menschen im Königreich Swasiland ist HIV-positiv, 80 Prozent von ihnen haben TB, unter ihnen auch die 30jährige Nikiwe Mahlaba. Die Patientin von Ärzte ohne Grenzen erzählt ihre Geschichte.

Mein Name ist Nikiwe Mahlaba. Ich bin 30 Jahre alt und lebe in Thunzini, in dem von Häuptling Tsekwane regierten Distrikt Shiselweni im Königreich Swasiland. Ich bin alleinerziehend und habe zwei Kinder. Mit ihnen und meiner übrigen Familie lebe ich in einem Haus mit zwei Räumen. Zusammen mit meinen beiden Brüdern und meiner Mutter sind wir sechs Personen. Meine Mutter sorgt für unser Einkommen, denn sie unterstützt uns mit ihrer Rente. Für drei Monate bekommt sie 600 Lilangeni (54 Euro).

Zum ersten Mal hatte ich im Jahr 2002 Tuberkulose (TB). Ich hustete stark und schwitzte nachts. Ich verlor an Gewicht und fühlte mich einen ganzen Monat lang sehr schwach. Als ich die Klinik in Lavumisa aufsuchte, gab man mir ein Medikament gegen Erkältung, das allerdings keinerlei Besserung brachte.

Dann ging ich zum Röntgen in das Spital in Matsanjeni. Dort wurde festgestellt, dass ich TB hatte. Im Februar jenes Jahres begann ich mit der Behandlung. Ganze sechs Monate lang musste ich ein Medikament einnehmen, bis ich endlich geheilt war.

2006 hatte ich einen Rückfall. Als Erstlinien-Behandlung gab man mir zwei Monate lang Streptomycin-Spritzen. Ein ganzes Jahr lang nahm ich Tabletten. Diese Behandlung machte ich im TB-Zentrum in Manzini. Während der gesamten Behandlungsdauer konnte ich nicht arbeiten. Erst im Juli 2007 kam ich wieder zurück.

Nicht mehr arbeiten zu können, war ein harter Schlag

Letztes Jahr im August musste ich wegen unentwegtem Husten wieder aufhören zu arbeiten. Ich dachte, ich sei erkältet und hoffte, der Husten ginge vorbei. Aber er hörte nicht auf. In einer Klinik nach der anderen suchte ich Hilfe. Es ging mir immer schlechter.

Nicht mehr arbeiten zu können, war ein harter Schlag für mich. Es ist nicht leicht, eine Arbeit zu finden. Und ich muss doch für meine Kinder sorgen. Ich fühle mich erbärmlich, von meiner alten Mutter abhängig zu sein. Sie ernährt mich und meine Kinder. Sie war die ganze Zeit mein Rückhalt.

Dieses Jahr im Januar ging ich in die Ambulanz des Spitals in Matsanjeni. Man überwies mich in die TB-Abteilung, wo ich geröntgt wurde. Die Krankenschwester gab mir zwei Flaschen mit, in die ich hineinhusten und die ich am nächsten Morgen zurückbringen sollte. Die Proben sollten ins Labor geschickt werden, wo eine Bakterienkultur angelegt wurde. Als ich die Flaschen am Morgen darauf zurückbrachte, gab man mir eine weitere Flasche zum Hineinhusten, zur Untersuchung des Auswurfs. Die Ergebnisse lagen nachmittags vor: ich hatte TB.

Auf die Ergebnisse der Kultur auf dem DST-Nährboden musste ich noch warten. So etwas dauere etwa zwei Monate, hiess es. Im April kamen dann die Ergebnisse. Man sagte mir ich hätte resistente TB. Derzeit werde ich mit Zweitlinien-Medikamenten behandelt: Kanamycin-Injektionen und Medikamente zum Einnehmen (Pyrazinamid und Ethambutol).

Nebenwirkungen - ein schreckliches Dilemma

Die Kanamycin-Spritzen soll ich neun Monate lang bekommen. Bisher habe ich erst vier Monate hinter mir, aber die Schmerzen sind schon jetzt unerträglich. Ich wünschte, es gäbe Tabletten als Ersatz für diese schmerzhaften Spritzen. Ich sehe, dass andere Patienten, die auch diese Injektionen bekommen, von den Nebenwirkungen taub werden. Dann habe ich grosse Angst. Was wird wohl auf die Dauer mit mir geschehen?

Es ist ein schreckliches Dilemma: Diese TB-Behandlung hat Nebenwirkungen, das stimmt. Aber was ist besser? Von der Behandlung taub werden oder gar nicht behandelt werden und sterben? Bestimmt würden die meisten Menschen lieber leben wollen.

Die Leute haben Angst vor mir. Wegen meiner arzneimittelresistenten TB reden sie nicht mit mir. Das ist schrecklich für mich, und ich fühle mich sehr einsam. Zum Beispiel ging in Lavumisa, wo Ärzte ohne Grenzen eine Einzimmerwohnung für mich gemietet hat, einer der Mieter zur Vermieterin und sagte ihr, ich hätte eine gefährliche TB, die unheilbar ist. Man müsse deswegen etwas unternehmen. Er sprach auch mit den anderen Mietern. Diese fingen an, mir aus dem Weg zu gehen. Ich fühlte mich wie Dreck.

Es ist extrem wichtig, seinen HIV-Status prüfen zu lassen, wenn man TB hat, denn beides kommt oft gemeinsam vor.

TB ist heilbar, wenn man sich Spritzen geben lässt und Tabletten nimmt. Man darf die Behandlung nicht abbrechen, bevor der Arzt das sagt. Ich habe einige TB-Patienten gesehen, die, alle Hoffnung verloren hatten, als sie ihre TB-Behandlung begannen. Sie glaubten, sterben zu müssen. Manche kamen im Rollstuhl, aber heute hat sich ihre Gesundheit stark verbessert.