Jemen

24 tote Flüchtlinge an Südküste geborgen - Ärzte ohne Grenzen behandelt Überlebende

Immer wieder landen Boote mit Flüchtlinge an der Südküste des Jemen. Ärzte ohne Grenzen versorgt die Überlebenden medizinisch.

Teams der internationalen humanitären Organisation Ärzte ohne Grenzen haben 164 Menschen behandelt, die am 1. Dezember nach einer zweitägigen Reise auf somalischen Schmugglerbooten an der Südküste des Jemen gelandet sind. Mindestens 24 Menschen überlebten die Flucht nicht. Die meisten Leichen wurden am 1. Dezember am Strand geborgen, weitere wurden am darauffolgenden Tag entdeckt.

Insgesamt befanden sich an Bord der zwei völlig überfüllten Boote, die im Hafen von Bossasso in der Region Puntland im Norden Somalias ausgelaufen waren 195 Flüchtlinge und Migranten. Die Schmuggler zwangen die Passagiere, rund 400 Meter vor der jemenitischen Küste aus den Booten zu springen. Einige Passagiere, die sich weigerten, wurden von den Schmugglern mit Messern attackiert und verwundet. Ärzte ohne Grenzen behandelte mehrere Überlebende mit Stichwunden. 60 Prozent der Überlebenden stammen aus Äthiopien, die anderen 40 Prozent aus Somalia.

Sterbende werde über Bord geworfen

"Das Boot war völlig überfüllt", erzählte die Mutter des Jungen. "Wir hatten weder Wasser noch Nahrung. Wenn Du dich bewegst, treten sie dich. Die sterbenden Menschen wurde über Bord geworfen. Ich habe beobachtet, wie jemand ins Wasser geworfen wurde." 24 Stunden nach der Tortur war die junge Frau noch immer konfus, erschöpft und konnte kaum laufen. "Gestern war ich im Meer," flüsterte sie. "Ich weiß nicht, wie ich gerettet wurde. Aber heute kann ich sprechen. Ich weiß nicht, wo ich jetzt bin, aber ich würde gerne in den Jemen gehen."

Seit Anfang 2008 haben Teams von Ärzte ohne Grenzen über 8.000 Bootsflüchtlinge im Südjemen behandelt. Die Überlebenden werden am Strand sofort medizinisch versorgt. Sie bekommen trockene Kleidung, Wasser und nährstoffreiche Nahrung. Anschließend werden sie in ein Aufnahmelager der Vereinten Nationen in Ahwar gebracht, wo Ärzte ohne Grenzen eine Klinik betreibt und Sprechstunden anbietet. Ärzte ohne Grenzen startete das Projekt im Südjemen im September 2007.

Im Juni 2008 veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen einen Bericht mit dem Titel "No Choice", der die gefährliche Flucht per Boot in den Jemen dokumentiert und dazu aufruft, die Tausenden von Flüchtlingen, Asylsuchenden und Migranten, die aus ihren Heimatländern fliehen, vermehrt zu unterstützen.

Menschen flüchten vor Krieg und Verfolgung

Boote mit Flüchtlingen landen in großer Regelmäßigkeit an der Südküste des Jemen. Die meisten von ihnen sind Somalis, die vor Krieg und Vertreibung in ihrem Land fliehen. Auch einige äthiopische Flüchtlinge berichten von Gewalt und Verfolgung in Teilen ihres Heimatlandes. Offiziell starben seit Anfang des Jahres 350 Menschen bei dem Versuch, die Küste des Jemen zu erreichen. Vermutlich ist die Zahl der Opfer jedoch höher, da einige Leichen ins Meer geworfen oder von der lokalen Bevölkerung ohne es bekannt zu machen begraben werden.

Ein 1 ½-jähriger Junge und seine 20-jährige Tante schafften es bis zur Küste. Sie stammen aus der Oromo-Region in Äthiopien und gingen zusammen mit der 24 Jahre alten Mutter des Jungen in Bossasso an Bord, auf der Suche nach einem besseren Leben im Jemen. Die Tante suchte den Strand vergeblich nach der Mutter des Jungen ab, die, so schien es, das erzwungene Verlassen des Bootes nicht überlebt hatte. Wie durch ein Wunder fand ein jemenitischer Fischer die Mutter jedoch sieben Stunden später lebend im Meer.