Sri Lanka

200.000 Menschen inmitten schwerer Kämpfe eingeschlossen - Ärzte ohne Grenzen erhält keinen Zugang zur umkämpften Region

Tamil Kristi Maria Suluchana aus Udayarkattu wurde bei Schusswechseln verletzt.

In der heftig umkämpften Region Vanni im Nordosten Sri Lankas sind noch immer rund 200.000 Zivilisten eingeschlossen. Ärzte ohne Grenzen erhält bislang keinen Zugang zu der Region. Patienten, die aus Vanni fliehen konnten, berichten aber von täglichen Bombardierungen und unzähligen Toten und Verletzten. Die Eingeschlossenen haben weder ausreichend Nahrung noch Trinkwasser, und sie benötigen dringend mehr medizinische Hilfe. Ärzte ohne Grenzen fordert von beiden Konfliktparteien, das Leben der eingeschlossenen Zivilisten zu respektieren und für die Männer, Frauen und Kinder Sicherheit zu garantieren. Außerdem müssen sie umgehend humanitäre Hilfe erhalten.

Mittlerweile konnten rund 35.000 Menschen aus Vanni in die südlich gelegene Stadt Vavuniya fliehen, in der Ärzte ohne Grenzen arbeitet. Die Geflüchteten sind erschöpft, hungrig und verängstigt und wissen nicht, was aus ihren Familienmitgliedern geworden ist, die die Flucht nicht geschafft haben. Viele der Neuankömmlinge in Vavuniya sind verletzt, zahlreiche haben entzündete Wunden, die schon mehrere Wochen alt sind. Etliche sind für ihr Leben gezeichnet. Die Geschichten, die sie den Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen erzählen, machen klar, wie verzweifelt und hoffnungslos die Lage der Menschen in Vanni ist. Gefangen im offenen Konflikt versuchen sie sich in einfachen Bunkern zu verstecken, die sie selbst gegraben haben.

Krankenhausteam arbeitet rund um die Uhr

Eine 53-jährige Frau erzählte, wie sie und ihre Familie sich tagelang ohne Essen und Wasser in einem solchen Bunker versteckt haben. Als sie den Bunker vor lauter Hunger und auf der Suche nach etwas Nahrung trotz der Bombardierungen verließen, kamen 3 der 15 Verwandten ums Leben. Ihre Tochter wurde durch eine Granate schwer verletzt und ist nun im Krankenhaus von Vavuniya. Einige der Verwandten sind noch immer in Vanni. Ob sie noch leben, weiß die 53-Jährige nicht. Viele der Geflüchteten erzählen ähnliche Geschichten.

Ärzte ohne Grenzen bietet den Vertriebenen im Krankenhaus von Vavuniya und in Lagern der Regierung medizinische Behandlung und Nothilfe an. Das Team im Krankenhaus arbeitet rund um die Uhr. 90 Prozent der behandelten Wunden sind Kriegsverletzungen. Die Menschen kommen mit Schusswunden und Verletzungen durch Granaten. In den vergangenen Wochen haben die Mitarbeiter mehr als 300 Patienten behandelt, die direkt im Konflikt verletzt wurden. Und das Team geht davon aus, das dies nur die Spitze des Eisbergs ist.

In der Region Vanni wird seit Jahren gekämpft, doch jüngst hat sich der Konflikt zwischen der sri-lankischen Armee (SLA) und den Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) massiv verstärkt. Mehr als 70.000 Menschen sind seit Konfliktbeginn im Jahr 1983 gestorben.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1986 in Sri Lanka. 2004 verließ die Organisation nach einem Friedensabkommen das Land, kehrte 2007 aber zurück, als der Konflikt erneut aufflammte.