Arbeitsweise

Das Ziel von Ärzte ohne Grenzen ist es, in Krisensituationen schnell und professionell auf akute medizinische Bedürfnisse der Bevölkerung zu reagieren. Da der Bedarf je nach Kontext unterschiedlich ist, sammelt Ärzte ohne Grenzen vor jedem Hilfseinsatz Daten zu Art und Umfang der benötigten Hilfe. Anhand klar festgelegter Indikatoren treffen die Verantwortlichen daraufhin die Entscheidung, ob und wann ein Nothilfeeinsatz stattfinden soll. Zu diesen Indikatoren gehören zum Beispiel die Sterblichkeitsrate, die Häufigkeit von Krankheiten oder die Anzahl mangelernährter Kinder.

Anhand dieser Indikatoren werden die Strategien und Ziele eines Projektes definiert. Ob und wie diese erreicht werden und wie groß die Wirkung des Projekts ist, wird während der gesamten Projektlaufzeit überwacht.

Wenn es keinen Bedarf an medizinischer Nothilfe mehr gibt, wird das Projekt wieder geschlossen beziehungsweise an andere Organisationen oder die Gesundheitsbehörden übergeben.

Politische Instabilität oder chronische Krisen können allerdings eine Übergabe der Projektaktivitäten erschweren und die Präsenz von Ärzte ohne Grenzen über Jahre hinweg notwendig machen.

Projektbeispiel Pakistan

Ausgangslage: Anfang September 2012 führte anhaltender Monsunregen in der Region um Dera Murad Jamali, in Ost-Belutschistan, sowie in Jacobabad, in Nord-Sindh, zu Überschwemmungen.

Projektziel: Durch schnelle medizinische Nothilfe sollten das Überleben und die Gesundheit der von den Überschwemmungen betroffenen Menschen gesichert werden. Dafür wurde vor allem sauberes Trinkwasser benötigt. Hygiene-Artikel sollten zudem die Ausbreitung von schweren Durchfallerkrankungen verhindern.

Aktivitäten: Es wurden 36 MillionenLiter sauberes Trinkwasser verteilt, 470 Latrinen gebaut, mehr als 9.700 medizinische Konsultationen mit mobilen Kliniken durchgeführt, rund 1.070 mangelernährte Kinder versorgt, 1.100 Geburten begleitet, 97 Patienten mit schweren Durchfallerkrankungen behandelt sowie Hygienekits, Zelte, Wasserkanister und Moskitonetze an rund 60.000 Menschen ausgegeben.

Hürden: Visaschwierigkeiten verzögerten die Einreise von internationalen Hilfskräften. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage in der politisch polarisierten Region konnten die Teams in Jacobabad erst später als geplant ihre Arbeit aufnehmen. Dies erschwerte die Verteilung der Hilfsgüter.

Ausblick: Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten gelang es Ärzte ohne Grenzen, in Regionen zu arbeiten, die zuvor aufgrund der Sicherheitslage nicht zugänglich waren. Die Teams knüpften dort Netzwerke, die für künftige Projekteinsätze hilfreich sein könnten.