Äthiopien

Wir leisten medizinische Hilfe in der Region Tigray

Unser Mitarbeiter behandelt einen Patienten in Adigrat, in der Region Tigray im Norden Äthiopiens.

Im November vergangenen Jahres kam es in Tigray im Norden Äthiopiens zu einer militiärischen Eskalation. Hundertausende Menschen mussten wegen der Kämpfe die Region verlassen.* Viele von ihnen wurden innerhalb der Region vertrieben, etwa 50.000 von ihnen sind in den benachbarten Sudan geflohen. Neben der andauernden Unterstützung auf sudanesischer Seite versorgen wir seit Mitte Dezember auch einen Teil der betroffenen Menschen in Tigray medizinisch. Deren schlechte Versorgungslage beunruhigt uns. Wir betreiben beispielsweise die Notaufnahme und weitere Stationen eines Krankenhauses in der Stadt und sind mit mobilen Kliniken unterwegs. Wir unterstützen Gesundheitseinrichtungen mit Medikamenten, Sauerstoff und Nahrungsmitteln und helfen im Wasser- und Sanitärbereich. 

Viele der intern vertriebenen Menschen sitzen in Kleinstädten oder in abgelegenen Gebieten fest, verweilen in verlassenen Gebäuden und auf Baustellen. Teilweise kommt es dort auch jetzt noch zu lokal begrenzten  Kämpfen. In der Region Tigray lebten vor dem Ausbruch der Kämpfe rund 5,5 Millionen Menschen. Unter ihnen waren schon damals mehr als 196.000 Binnenvertriebene und geflüchtete Menschen, die nach Angaben der Vereinten Nationen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen waren. Große Teile der Region sind außerdem von Ernteschäden durch eine andauernde Heuschrecken-Plage betroffen.  

Es fehlt an allem, selbst an Kommunikationsmitteln 

Die Menschen in Tigray haben aktuell nur stark begrenzte Möglichkeiten, an Nahrung, sauberes Wasser, Unterkünfte und medizinische Versorgung zu kommen. Unseren Mitarbeiter*innen wurde  berichtet, dass sich viele Menschen immer noch in den Bergen und in den ländlichen Gebieten verstecken. In einigen der von uns besuchten Orte sind die Stromleitungen gekappt, die Wasserversorgung funktioniert nicht, die Telekommunikationsnetze sind ausgefallen und die Banken haben geschlossen.  

Unsicherheit und Angst halten an 

Viele haben wegen der anhaltenden Unsicherheit Angst, in ihre Heimatorte zurückzukehren. Oft haben sie keine Möglichkeit, ihre Verwandten zu kontaktieren oder wichtigen Haushaltsbedarf zu kaufen. Darüber hinaus nehmen die Menschen auch weitere Familienmitglieder auf, die vertrieben wurden, was eine zusätzliche Belastung für sie darstellt. 

Eine Million Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe 

Die Kämpfe brachen zu einer Zeit und in einer Region aus, in der die Ernten bereits durch die andauernde Heuschrecken-Plage stark geschädigt waren. Bereits damals war fast eine Million Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Obwohl Hilfsorganisationen und lokale Behörden weiterhin in einigen Gebieten Nahrungsmittel verteilen, erreichen sie nicht alle. 

Unsere Hilfe in Tigray im Überblick 

Süden: Wir betreiben mobile Kliniken und haben zusammen mit Mitarbeiter*innen des Gesundheitsministeriums einige Gesundheitszentren in den Städten Hiwane und Adi Keyih wieder in Betrieb genommen. Bis zum 3. Januar haben unsere Teams dort fast 1.500 medizinische Konsultationen durchgeführt.  

Osten: Wir unterstützen das zweitgrößte Krankenhaus der Region in Adigrat, das ursprünglich bis zu einer Million Menschen versorgte. Als die Teams dort im Dezember eintrafen, fanden sie die Klinik teilweise nicht mehr funktionsfähig vor. Daher brachten sie Sauerstoffflaschen und Nahrungsmittel dorthin und überwiesen Patient*innen zwischenzeitlich in das Krankenhaus der regionalen Hauptstadt. Seit Ende Dezember betreiben wir nun die Notaufnahme des Krankenhauses sowie die chirurgische, die pädiatrische und die Entbindungsstation. Außerdem bieten wir die ambulante Betreuung von Kindern unter fünf Jahren an. Bis zum 10. Januar wurden 760 Patient*innen in der Notaufnahme des Krankenhauses von Adigrat aufgenommen. 

Zentrales Tigray: Wir leisten einen Teil der medizinischen Grundversorgung für vertriebene Menschen und unterstützen lokale Gesundheitseinrichtungen, denen es an lebenswichtigen Gütern fehlt. Wir schätzen, dass zwischen drei und vier Millionen Menschen in dieser Region keinen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung haben. 

Westen: In den Städten Mai Kadra und Humera unterstützen wir einige lokale Gesundheitszentren. Wir haben dort bis zu 2.000 geflüchtete Menschen mit medizinischer Versorgung unterstützt und u.a. Latrinen gebaut.  

Seit November 2020 haben wir außerdem in der Region Amhara geholfen. Schließlich kümmern wir uns auch um die medizinische Versorgung von äthiopischen Geflüchteten jenseits der Grenze im Sudan. 

*Laut Angaben von OCHA, dem Amt der Vereinten Nationen zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten.