Äthiopien

Wir leisten medizinische Hilfe in der Region Tigray

Unser Mitarbeiter behandelt einen Patienten in Adigrat, in der Region Tigray im Norden Äthiopiens.

Im November vergangenen Jahres kam es in Tigray im Norden Äthiopiens zu einer militiärischen Eskalation. Hundertausende Menschen mussten wegen der Kämpfe die Region verlassen. Viele von ihnen wurden innerhalb der Region vertrieben oder sind in den benachbarten Sudan geflohen. Ihre schlechte Versorgungslage ist alarmierend. Schon vor Ausbruch der Kämpfe war eine Million Menschen in Tigray auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, denn eine Heuschreckenplage hatte die Ernteerträge reduziert. Die Kampfhandlungen haben es dann zudem vielerorts unmöglich gemacht, die Ernte einzubringen. Schätzungen zufolge benötigen weitere 1,3 Millionen Menschen in den Bundesstaaten Tigray, Amhara und Afar Hilfe.[1] Neben der andauernden Unterstützung auf sudanesischer Seite haben wir unsere Mitte Dezember begonnene Hilfe in Tigray massiv ausgeweitet. 

Unsere Teams 

  • unterstützen fünf Krankenhäuser und zahlreiche Gesundheitsstationen,  
  • sind an 25 Orten mit mobilen Kliniken im Einsatz, 
  • haben seit Beginn der Kämpfe mehr als 10.000 Patient*nnen behandelt. 

Außerdem verteilen unsere Teams quer durch Tigray Hilfsgüter an vertriebene Menschen und die lokale Bevölkerung. Sie bauen eine Wasserversorgung und Sanitäranlagen auf und leisten zudem psychologische Hilfe. Noch immer sind nicht alle Gebiete für unsere Teams zugänglich. An einigen Orten kommt es weiterhin zu lokal begrenzten Kämpfen. Dort, wo wir tätig sein können, beobachten wir besorgniserregende Versorgungsengpässe. Viele Krankenhäuser und Gesundheitsstationen wurden geplündert oder beschädigt, das Personal ist oft geflohen. 

Es fehlt an allem, selbst an Kommunikationsmitteln 

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt

  • dass 78 Prozent der Krankenhäuser geschlossen sind und 
  • nur noch 22 Prozent der Gesundheitseinrichtungen funktionieren. 

Die vertriebenen Menschen leben unter schlechten Bedingungen und suchen in verlassenen oder unfertigen Gebäuden Schutz. Die Wasser- und Stromversorgung funktionieren meist nicht mehr, genauso wenig wie die Telefonnetze. Die Menschen in Tigray haben aktuell nur stark begrenzte Möglichkeiten, an Nahrung, sauberes Wasser, Unterkünfte und medizinische Versorgung zu kommen. Die anhaltende Unsicherheit macht ihnen Angst. 

Unsere Hilfe in Tigray im Überblick 

  • Süden: Bis Mitte Januar haben wir zusammen mit Mitarbeiter*innen des Gesundheitsministeriums mobile Kliniken und einige Gesundheitszentren in den Städten Hiwane und Adi Keyih betrieben. Fast 1.500 Sprechstunden haben die Teams abgehalten. 
     
  • Osten: Wir unterstützen das zweitgrößte Krankenhaus der Region in Adigrat, das ursprünglich bis zu einer Million Menschen versorgte. Als die Teams dort im Dezember eintrafen, fanden sie die Klinik teilweise nicht mehr funktionsfähig vor. Seit Ende Dezember betreiben wir gemeinsam mit den lokalen Gesundheitsbehörden wieder die Notaufnahme des Krankenhauses sowie die chirurgische, die pädiatrische und die Entbindungsstation. Außerdem bieten wir die ambulante Betreuung von Kindern unter fünf Jahren an. Bis Mitte Februar haben wir u.a. mehr als 2.200 Patient*innen in der Notaufnahme des Krankenhauses und fast 120 auf der chirurgischen Station von Adigrat aufgenommen. In der ländlichen Umgebung haben wir mit mobilen Kliniken mehr als 1.900 Menschen geholfen. Zudem hat ein Programm zur psychologischen Unterstützung gestartet. 
     
  • Westen und Nordwesten bis in die Region Amhara: In der Stadt Shire haben wir im Janaur medizinische Sprechstunden für mehr als 3.000 Menschen abgehalten. Wir unterstützen das dortige Krankenhaus und helfen mit mobilen Kliniken. In der Stadt Sheraro unterstützen wir u.a. das Gesundheitszentrum. In den Städten Mai Kadra und Humera und in Abdurafi (Amhara Region) haben wir ebenfalls einige lokale Gesundheitszentren unterstützt. Bis zu 2.000 geflüchteten Menschen haben wir mit medizinischer Versorgung geholfen und u.a. Latrinen gebaut. Die meisten Vertriebenen sind inzwischen wieder weitergezogen – die Verbliebenen in Abdurafi und an anderen Orten unterstützen wir weiterhin mit dieser Hilfe. Außerdem spenden wir Ausrüstung an Gesundheitszentren in der Region zwischen Mai Kadra, Humera und Abdurafi.  

Unsere Hilfe für geflüchtete Äthiopier*innen im Sudan 

Auch im Sudan, wohin mehr als 60.000 Menschen aus Tigray geflohen sind, leisten wir am Grenzübergang Hamdayet sowie in den Camps Um Rakuba, Al Tanideba und Haschaba umfassende medizinische und humanitäre Hilfe. In Um Rakuba und Al Tanideba haben wir eigene Kliniken eingerichtet, die nach und nach den Betrieb aufnehmen. Besonders in Hamdayet, wo im Transitlager und der Umgebung mehr als 10.000 Geflüchtete leben, ist die Versorgung mit Unterkünften, Nahrung, Wasser und Sanitäranlagen ungenügend. Aber auch in den Lagern im Hinterland gibt es ernsthafte Engpässe. Die Camps wurden auf wasserundurchlässiger Schwarzerde errichtet, was in der aufkommenden Regenzeit zu Überschwemmungen, katastrophalen hygienischen Bedingungen und Choleraausbrüchen führen könnte. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, rechtzeitig solide Latrinen und eine stabile Wasserversorgung aufzubauen. 

[1]Angaben laut Vereinte Nationen