Unsere Hilfe in Kenia

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Auch im Jahr 2015 setzte Ärzte ohne Grenzen die medizinische Hilfe in Kenia für einige der gefährdetsten Bevölkerungsgruppen fort. Dazu zählten die Bewohner von Armenvierteln und Flüchtlingscamps, Patienten mit HIV, Aids und Tuberkulose (TB) sowie für Betroffene von sexueller und genderbasierter Gewalt.

Die Hilfe in Kenia im Einzelnen (Auszug):

  • Ärzte ohne Grenzen fokussierte die Hilfe in Kenia auf das weltweit größte und langjährige Flüchtlingslager in Dadaab. Es besteht aus fünf Camps, in denen rund 345.000 Flüchtlinge leben. Die meisten kommen aus Somalia. Nach einer Vereinbarung zwischen der UN-Flüchtlingsorganisation und den Regierungen von Kenia und Somalia im Jahr 2013 wurden die somalischen Flüchtlinge angehalten, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren. Doch nur wenige Menschen folgten bislang diesem Aufruf. Gleichwohl wurde die Finanzierung der humanitären Hilfe für diese Lager kontinuierlich gesenkt. Obwohl es Ärzte ohne Grenzen seit 2011 aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich war, ständig mit internationalem Personal vor Ort zu arbeiten, versorgten die Teams das 100-Betten-Krankenhaus im Lagerteil Dagahaley und vier Gesundheitsposten. Sie leisteten ambulante medizinische und psychologische Hilfe, nahmen chirurgische Eingriffe vor, hielten Schwangerschaftsberatungen ab und versorgten HIV- und TB-Patientinnen und Patienten. Als sich die Sicherheitslage im Mai 2015 sehr verschlechterte, brachte Ärzte ohne Grenzen einen Teil des Personals in Sicherheit und schloss zwei der vier Gesundheitsposten. Insgesamt gaben die Teams 182.351 Sprechstunden und nahmen 11.560 Patientinnen und Patienten stationär auf.
  • Im Westen des Landes, in Ndhiwa, umfasste die Hilfe in Kenia die Versorgung von HIV-infizierten Menschen. Schätzungsweise 24 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ist dort HIV-positiv – mit steigender Tendenz. Mitte 2014 begann Ärzte ohne Grenzen daher ein Vierjahresprogramm mit dem Ziel, die Anzahl der neuen HIV-Infektionen zu verringern, Menschen mit HIV zu behandeln und die Sterblichkeitsrate zu senken. Im Jahr 2015 unterstützte das Programm die lokalen Behörden darin, den Zugang zu HIV-Tests zu verbessern, auf freiwilliger Basis die männliche Beschneidung anzubieten und die Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus zu verhindern. Ausgebildete Berater stellten die Nachsorge der HIV-positiven Patienten sicher, um die Therapietreue zu erhöhen.
  • Im Dezember übergab Ärzte ohne Grenzen endgültig das langfristige HIV- und TB-Programm im Krankenhaus von Homa Bay an die Gesundheitsbehörden. Bis Ende 2015 erhielten mehr als 7.300 Personen in diesem Projekt antiretrovirale Medikamente. 265 von ihnen begannen die Therapie 2015. Diese Art der Hilfe in Kenia hatte Ärzte ohne im Jahr 1996 gestartet: Das Hospital in Homa Bay war das erste öffentliche Krankenhaus, in dem kostenlos antiretrovirale Arzneimittel in Kenia verabreicht wurden.
  • Für Betroffene von sexueller und genderbasierter Gewalt ist es in Kenia schwer, fachmedizinische Hilfe in öffentlichen Kliniken und Krankenhäusern zu finden. In den Armenvierteln in Eastland setzte Ärzte ohne Grenzen daher das Programm im Lavender-Haus fort. Für Betroffene gab es hier rund um die Uhr eine Hotline und einen Rettungswagendienst. Zudem konnten sie ihre körperlichen Verletzungen behandeln lassen, erhielten eine Prophylaxe zur Vermeidung einer HIV-Infektion oder einer sexuell übertragbaren Krankheit. Bei Bedarf war auch ein Schwangerschaftstest oder eine psychologische Beratung möglich. Die Teams nahmen zudem Abstriche für juristische Zwecke und ermöglichten den Betroffenen, falls nötig, soziale und legale Unterstützung. Im Jahr 2015 waren mehr als die Hälfte der 2.429 Personen, die in der Klinik versorgt wurden, unter 18 Jahren, ein Viertel sogar jünger als zwölf Jahre. Ärzte ohne Grenzen setzte sich gemeinsam mit den Behörden dafür ein, diese Hilfe in Kenia in öffentlichen Einrichtungen auszuweiten.
    Im Lavender-Haus betreuten die Teams auch den Unfallraum weiter, in dem sie Patientinnen und Patienten ambulant notversorgten, bevor sie bei Bedarf in andere Krankenhäuser gebracht wurden. Rettungswagen standen zur Verfügung, die im Verlauf des Jahres auf 4.200 Anrufe reagierten. In der Klinik Mama Lucy Kibaki versorgten die Teams zudem 25.481 Patienten in der Notaufnahme. Es ist das einzige Krankenhaus in Eastland für 2,5 Millionen Menschen. In der Greenhouse-Klinik wurden darüber hinaus viele Patienten mit multiresistenter TB behandelt, und drei Patienten mit extensiv-resistenter TB erhielten das neue Medikament Bedaquilin.
  • In Kibera, dem größten Armenviertel Nairobis, stellte Ärzte ohne Grenzen in zwei Kliniken die basismedizinische Versorgung sicher sowie die Behandlung von HIV, TB und nicht ansteckenden Krankheiten. Im Jahr 2015 hielten die Teams insgesamt 132.500 Sprechstunden ab und halfen bei 2.469 Entbindungen in einer Geburtshilfeklinik im Süden von Kibera. Da die Regierung in den vergangenen Jahren die medizinische Versorgung für HIV- und TB-Kranke ausgeweitet hat, wird Ärzte ohne Grenzen diese Hilfe in Kenia im Jahr 2017 an die Gesundheitsbehörden übergeben. 
  • Als es 2015 zu einem massiven Ausbruch von Cholera kam, richteten die Teams in Nairobi Cholera-Behandlungszentren ein und behandelten zudem mehr als 570 Cholera-Patientinnen und Patienten im Flüchtlingslager in Dagahaley.  Bis zum Jahresende unterstützte Ärzte ohne Grenzen 47 Einrichtungen in 17 Bezirken. Die Teams behandelten mehr als 8.300 Erkrankte.
  • Im April griffen militante Mitglieder der Gruppe Al Shabab eine Universität im Nordosten Kenias an.  Dabei wurden mehr als 100 Personen getötet, vor allem Studierende. Ärzte ohne Grenzen behandelte Überlebende dieses Angriffs, darunter mehr als 70 Personen mit Schusswunden oder Verletzungen durch Glassplitter. Die Teams hielten Konsultationen ab und stellten Nahrungsmittel sowie Trinkwasser am Flughafen Garissa zur Verfügung. Dort verbrachten rund 300 Studenten die Nacht nach dem Angriff. 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1987 Hilfe in Kenia an.