Unsere Hilfe in Jordanien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Rund 629.000 Syrer und Syrerinnen haben als registrierte Kriegsflüchtlinge in Jordanien Zuflucht gefunden. Geschätzt genauso viele Menschen leben als nicht registrierte Geflüchtete im Land. Seit Oktober 2014 wird Geflüchteten, die außerhalb der großen Flüchtlingslager Jordaniens leben, von den Behörden der Zugang zu einer kostenlosen Gesundheitsversorgung verwehrt. Um diese Menschen zu unterstützen und den Druck auf das Gesundheitssystem des Landes zu reduzieren, konzentriert Ärzte ohne Grenzen die Hilfe in Jordanien auf verschiedene medizinische Projekte.

Unsere Hilfe in Jordanien im Einzelnen (Auszug):

  • Das Projekt zur rekonstruktiven chirurgischen Hilfe in der Hauptstadt Amman konnte im August 2015 neue Räumlichkeiten beziehen. Dadurch soll die Qualität der medizinischen Versorgung weiter verbessert werden. Das Projekt wurde 2006 eröffnet und bietet seitdem orthopädische und plastische Chirurgie für Opfer von Gewalt aus der gesamten Region an. Seitdem der Konflikt in Syrien eskaliert ist, hat die Anzahl syrischer Patientinnen und Patienten stark zugenommen. Sie stellen zurzeit 50 Prozent aller Fälle. Seit seiner Eröffnung vor neun Jahren wurden in dem Krankenhaus mehr als 3.700 Patienten aufgenommen und 8.238 Operationen durchgeführt.
  • Unsere Hilfe in Jordanien umfasst auch die Notfallchirurgie für syrische Kriegsopfer im Krankenhaus Al-Ramtha, nur fünf Kilometer von der Grenze zum syrischen Regierungsbezirk Daraa entfernt. Seit zwei Jahren führen wir dort lebensrettende Operationen durch und haben bis jetzt in den beiden Operationssälen mehr als 1.850 verwundete Syrerinnen und Syrer behandelt. Rund 75 Prozent der Patientinnen und Patienten wurden durch Explosionen schwer verletzt und die 864 Patienten, die in unserem Krankenhaus aufgenommen wurden, mussten sich insgesamt 2.900 Operationen unterziehen. Rund 90 Prozent aller Kriegsverletzten, die von Syrien über die Grenze nach Jordanien transportiert werden, werden zuerst in das Al-Ramtha Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen gebracht.
  • Ärzte ohne Grenzen leistet in Jordanien auch Hilfe im Flüchtlingslager Zaatari und eröffnete dort im März 2014 eine postoperative Einrichtung mit 40 Betten. Hierhin werden unter anderem Kriegsverletzte aus unserem Projekt in Al-Ramtha verlegt, um sie nach ihren Operationen weiter behandeln zu können. In der Einrichtung bieten wir zudem psychologische Unterstützung und Physiotherapie an. Von Januar bis September 2015 wurden dort 133 Patienten medizinisch versorgt und rund 400 psychosoziale Beratungen durchgeführt.
  • Ein weiterer Fokus unserer Hilfe in Jordanien liegt auf dem Geburtshilfekrankenhaus in Irbid, nahe der syrischen Grenze im Norden Jordaniens, welches 2013 eröffnet wurde. Im Einzugsbereich des Projekts leben zehntausende syrische Flüchtlinge außerhalb der offiziellen Camps. Ihr Zugang zu Hilfe ist sehr eingeschränkt. Ende 2014 gaben die Behörden zudem bekannt, dass alle syrischen Geflüchteten, von nun an für ihre medizinische Versorgung bezahlen müssen. Dadurch hat der Bedarf der Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern noch einmal zugenommen. Im ersten Quartal 2015 wurde unser Projekt so ausgebaut, dass dort nun auch komplizierte Geburten und Kaiserschnitte durchgeführt werden können. Zudem wurde eine Intensivstation in Betrieb genommen.
  • Ärzte ohne Grenzen ist zudem in zwei weiteren Kliniken im Regierungsbezirk Irbid aktiv, in denen wir syrischen Patientinnen und Patienten und hilfsbedürftigen Jordaniern medizinische Hilfe anbieten. Eine Klinik wurde im Dezember 2014 gemeinsam mit dem jordanischen Gesundheitsministerium eröffnet, die zweite betreiben wir zusammen mit der Nichtregierungsorganisation Arabian Medical Relief Society. Die Mehrheit der insgesamt 2.893 Patientinnen und Patienten, die bis Ende September 2015 in den beiden Kliniken behandelt wurden, kamen mit Bluthochdruck, Diabetes und Asthma zu uns.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2006 Hilfe in Jordanien an.