Ethik im Fundraising

Testamentspenden und Vermächtnisse

Immer mehr Testamentspender unterstützen die weltweiten Hilfsprojekte von Ärzte ohne Grenzen. Mit einem Vermächtnis tun sie über den Tod hinaus Gutes und helfen Menschen in Not. Wir sprechen deshalb Spenderinnen und Spender gezielt auch auf das Thema Testamente an. Doch die Frage nach einer Erbschaft ist heikel.

Verena Schäfer © Barbara Sigge
Verena Schäfer

Über ein Tabu sprechen

Es ist nicht einfach, Menschen zu bitten, sich mit dem eigenen Nachlass zu beschäftigen. Indem wir zu Testamentspenden aufrufen, fordern wir indirekt dazu auf, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Für viele stößt diese Frage an die Grenze des Privaten und Persönlichen. Zwar reagiert die Mehrheit der Angesprochenen interessiert und verständnisvoll. Wir erhalten aber auch Reaktionen, die uns zeigen, dass manche verstört oder verärgert über eine direkte Ansprache sind und es unpassend fi nden, bereits zu Lebzeiten nach dem Erbe gefragt zu werden. Wir verstehen das.

Dennoch bitten wir Menschen, von denen wir wissen, dass ihnen die humanitäre Hilfe am Herzen liegt, über das Thema Testamentspenden nachzudenken. Denn diese Form zu spenden ist eine wichtige Unterstützung für die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen. Sie hilft uns, Nothilfeprojekte langfristig abzusichern. Eine Erbschaft müssen wir nicht, wie andere Spenden, zeitnah ausgeben. Sie kann so zeitlich flexibler eingesetzt werden – vor allem in sogenannten vergessenen Krisen, in denen das Leben vieler Kinder, Frauen und Männer bedroht ist. Diesen Menschen kann eine Testamentspende Hoffnung schenken und für sie einen Schritt in ein neues Leben bedeuten.

 

Wie wir über Testamentspenden informieren

Mit unserem Material zu Erbschaften, auf unserer Internetseite und auf Veranstaltungen informieren wir darüber, wie Sie Ärzte ohne Grenzen und damit Menschen in Not über Ihren Tod hinaus unterstützen können. Wir berichten über die verschiedenen Möglichkeiten einer Legatspende und über rechtliche Rahmenbedingungen. Eine Rechtsberatung erhalten Sie jedoch nur bei einem spezialisierten Juristen. Außerdem informieren wir in persönlichen Gesprächen darüber, wie wir arbeiten und wie Erbschaften eingesetzt werden. Wann immer wir mit Ihnen in Kontakt treten, spielen unsere Prinzipien der Transparenz, Ehrlichkeit und Freiwilligkeit eine große Rolle. Uns ist es wichtig, dass jede Entscheidung für eine Spende, auch für ein Testament zugunsten von Ärzte ohne Grenzen, frei und unabhängig getroffen werden kann.

 

Wen wir ansprechen

In den meisten Fällen kommen Menschen, die ihr Erbe Ärzte ohne Grenzen vermachen wollen, von selbst auf uns zu. Von Zeit zu Zeit wenden wir uns jedoch auch aktiv mit der Bitte um eine Testamentspende an Menschen, die uns schon einmal unterstützt haben. In Spenderbriefen informieren wir mit unserem Erbschaftsflyer über die Möglichkeit der Testamentspende. Zudem bitten wir Notariatskanzleien darum, unser Erbschaftsmaterial auszulegen.

 

Verena Schäfer, Referentin Spenderkommunikation und Testamentspenden

 

 

 


Fotos: Barbara Sigge



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