Ethik im Fundraising

Firmenspenden und Unternehmenskooperationen

Viele Firmen wollen über die Grenzen ihres Unternehmens hinaus Verantwortung übernehmen. Für Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne grenzen ist diese Unterstützung wichtig. Wir schätzen dieses Engagement - und dennoch können wir nicht jede Spende annehmen. Im Sinne unserer Arbeit für Menschen in Not.

Unternehmen für einen guten Zweck

Seit einiger Zeit steigt die Zahl der Unternehmen, die Ärzte ohne Grenzen regelmäßig oder einmalig spenden. Andere
Firmen entwickeln darüber hinaus kreative Ideen für Kooperationen:

Ein Verlag verkauft beispielsweise Weihnachtskarten, ein anderer einen spannenden Krimi zugunsten von Ärzte ohne Grenzen. Auch Mitarbeiter von Firmen engagieren sich und organisieren Tombolas auf Betriebsfesten oder Benefizläufe. Diese Unterstützung ist wichtig. Denn neben den Spenden, die wir erhalten, erfahren so viele Menschen von unserer Arbeit. Zudem sind Kooperationen mit Firmen oft längerfristig angelegt und damit gut für die finanzielle Planung von Projekten.

Dennoch können wir als unabhängige Hilfsorganisation nicht jede Spende annehmen. Wenn beispielsweise Menschen
durch die Produkte oder die Produktionsweise einer Firma in medizinischer oder humanitärer Hinsicht erheblicher
Schaden zugefügt wird, lehnen wir die Spende aus ethischen Gründen ab.

 

Branchen, aus denen wir keine Spenden akzeptieren

Aus einigen Branchen nimmt Ärzte ohne Grenzen grundsätzlich keine Spenden an, weil deren Produkte die Gesundheit schädigen oder gewaltsame Konflikten auslösen können. Dazu zählen die Tabak- und Alkoholbranche sowie weite Teile der rohstofffördernden Industrie. Spenden aus der Rüstungsindustrie lehnen wir ebenfalls immer ab. Auch aus der Pharmaindustrie akzeptiert Ärzte ohne Grenzen keine Spenden: Solange Pharmakonzerne häufig die Produktion kostengünstiger Medikamente blockieren und sich Millionen Menschen in ärmeren Ländern lebenswichtige Medikamente nicht leisten können, nehmen wir keinerlei Spenden von diesen Firmen an. Nur wenn wir unabhängig sind, können wir die Pharmaindustrie für diese Praxis offen kritisieren und Veränderung einfordern.

 

Die Kriterien bei der Prüfung von Firmenspenden

Firmenspenden aus anderen Bereichen nehmen wir ebenfalls nicht ungeprüft an und richten uns dabei nach verschiedenen Kriterien: Erfahren wir von menschenunwürdigen Produktionsbedingungen, Diskriminierung oder auch starker Umweltverschmutzung, kann dies dazu führen, dass wir eine Spende nicht annehmen. Wir lehnen jede Spende ab, wenn wir von Kinderarbeit erfahren. Auch Parteispenden sind zur Wahrung unserer politischen Unabhängigkeit tabu.

 

So prüfen wir

Bei unseren Entscheidungen und Recherchen berücksichtigen wir, dass wir effektiv und kostensparend vorgehen müssen. Wir können nicht jede Firma bis ins Detail betrachten und nicht jede Spende einzeln prüfen. Deshalb überprüfen wir bis 5.000 Euro nur diejenigen Spenden, deren Absender uns kritisch erscheint. Ab 5.000 Euro ermitteln wir jedoch grundsätzlich die Herkunft. Entspricht diese nicht unseren Kriterien, überweisen wir das Geld zurück. Für die Prüfung nutzen wir öffentlich zugängliche Quellen; darunter Informationen von Institutionen, die Auskünfte über Wirtschaftsunternehmen erteilen, beispielsweise von Creditreform und German Watch.

Marion Ebert, Referentin Kooperationen und Stiftungen

 

 

 





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