Indien produziert kostengünstige, qualitativ hochwertige generische Medikamente, auf die Regierungen, die Vereinten Nationen und Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen angewiesen sind, um Patienten in ärmeren Ländern zu behandeln. Dank des Wettbewerbs durch Generika-Hersteller in Indien ist beispielsweise binnen eines Jahrzehnts der Preis von HIV/Aids-Medikamenten um mehr als 99 Prozent zurückgegangen. Diese signifikante Preissenkung hat weltweit eine massive Ausweitung der Behandlung von HIV/Aids ermöglicht: Mehr als 80 Prozent der HIV/Aids-Medikamente, die zur Behandlung von rund 6,6 Millionen Menschen in ärmeren Ländern eingesetzt werden, stammen von indischen Produzenten. Ärzte ohne Grenzen versorgt derzeit 170.000 Menschen in 19 Ländern mit lebensrettender HIV-Therapie. Auch zur Behandlung anderer Krankheiten ist Ärzte ohne Grenzen auf indische Generika angewiesen.
Ärzte ohne Grenzen ist vor allem über Durchsetzungsmaßnahmen des geplanten Abkommens besorgt, die von der EU forciert werden. Dadurch könnten lebensrettende Medikamente schon in indischen Häfen gestoppt werden. Sogar medizinische Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen könnten Ziel von Strafverfolgung werden.
"Das geplante Freihandelsabkommen behindert den Zugang von Patienten zu lebenswichtigen Medikamenten", sagt Philipp Frisch von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Berlin. "Zum ersten Mal haben wir durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse die Möglichkeit, bei der Bekämpfung der schlimmsten Krankheiten das Ruder herumzureißen. Wir wissen heute, dass beispielweise eine frühzeitige Behandlung von HIV-positiven Menschen das Ansteckungsrisiko massiv senkt und wir so zahlreiche neue Krankheitsfälle verhindern könnten. Doch dazu brauchen wir vor allem bezahlbare Medikamente. Anstatt dass die Investitionen in die Bekämpfung der Krankheiten jetzt massiv ausgeweitet werden, müssen wir beobachten, dass solche Abkommen den Zugang zu Behandlung wieder erschweren."
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