Pressemitteilung
Ärzte ohne Grenzen unterstützt Forschungsinitiative DNDi mit 18 Millionen Euro - Regierungen in der Pflicht für mehr Medikamentenforschung
Genf/Berlin, 23. Februar 2009: Um die Erforschung und die Entwicklung von Medikamenten zu vernachlässigten Krankheiten voranzutreiben, unterstützt das internationale Netzwerk von Ärzte ohne Grenzen die von der Organisation mitbegründete unabhängige Forschungsinitiative DNDi erneut finanziell. Innerhalb der nächsten sechs Jahre wird Ärzte ohne Grenzen die Initiative mit einem Betrag von 18 Millionen Euro unterstützen. „Diese Investition ist notwendig, um eine effiziente Behandlung von Patienten in den ärmsten Ländern dieser Welt sicherzustellen. Dennoch ist das Geld nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte Frank Dörner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Wir fordern die Bundesregierung dazu auf, endlich aktiv zu werden und angemessen in die Forschung und Entwicklung zu investieren.“
Ärzte ohne Grenzen ermöglicht es DNDi über die finanzielle Hilfe hinaus, auf die operative Unterstützung der Projekte vor Ort zurückzugreifen. Dadurch konnten bislang bereits zwei Kombinationspräparate zur Behandlung von Malaria (ASAQ und ASMQ) entwickelt werden, die auf die Bedürfnisse von Patienten in den ärmeren Ländern zugeschnitten sind. Zudem kommen sie ohne Patentschutz auf den Markt, was breite Verfügbarkeit garantiert und die unnötige Verteuerung durch Monopolstrukturen verhindert.
Ärzte ohne Grenzen und DNDi mahnen höhere Investitionen in die Erforschung und Entwicklung von Medikamenten gegen vernachlässigte Krankheiten wie die Schlafkrankheit, Kala Azar und die Chagas-Krankheit an, unter denen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt leiden. „Wir behandeln Patienten, die an Erkrankungen wie der Schlafkrankheit leiden. Sie sind gezwungen, giftige und gefährliche Therapien zu ertragen, um eine Überlebenschance zu haben. Zudem bleiben Behandlungen für Menschen, die an Kala Azar leiden, unerschwinglich teuer, und für Chagas-Patienten gibt es nicht einmal eine Heilmethode“, sagte Christophe Fournier, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen.
Laut der kürzlich erschienenen Studie „G-Finder“ wird weltweit viel zu wenig investiert, um die vernachlässigten Krankheiten wirksam bekämpfen zu können. Ärzte ohne Grenzen veröffentlichte im vergangenen Jahr den Report "Forschungszwerg Deutschland - kaum Forschungsmittel für vernachlässigte Krankheiten", der die Situation in Deutschland beschreibt. 2008 hat die Bundesregierung nur zwei Millionen Euro für Produktentwicklungspartnerschaften bereit gestellt, von denen DNDi eine Million Euro erhalten hat.
- Kala Azar
- Gefährlichste Form der Infektionskrankheit Leishmaniose, die durch Mücken (Phlebotomen) übertragen wird. Kala-Azar greift das Immunsystem an und kann tödlich verlaufen. Betroffen sind jährlich etwa 500.000 Menschen, vor allem in Bangladesch, Brasilien, Indien, Nepal und im Sudan; in letzter Zeit verstärkt auch in einigen Mittelmeerländern.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
- Schlafkrankheit
- Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) wird durch die Tse-Tse-Fliege übertragen und führt ohne Behandlung zum Tod. Im Endstadium schädigen die Parasiten (Trypanosomen) das zentrale Nervensystem, was zu schweren Schlafstörungen, zur Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie zu Verhaltensänderungen und geistiger Verwirrung führt.
- Chagas
- Krankheit die durch einen Parasiten verursacht wird, den die blutsaugende Raubwanze überträgt. Erkrankte können Jahre ohne Symptome bleiben. Unbehandelt kann die Krankheit zu lebensbedrohlichen Problemen wie Herz- und Darmkomplikationen führen. Chagas tritt in den meisten Ländern Lateinamerikas endemisch auf. In der Region Arauca in Kolumbien kommt Chagas besonders häufig vor.
Fotos: Sebastian Bolesch