In den vergangenen zwei Wochen hat Ärzte ohne Grenzen 400 Kriegsverwundete in Notkliniken behandelt. Im Samuel Doe-Stadion, wo 40.000 Menschen Zuflucht gefunden haben, führen liberianische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen täglich über 250 Untersuchungen durch.
"Unsere internationalen und liberianischen Mitarbeiter arbeiten unter extrem schwierigen Bedingungen", erklärt die Ärztin Mercedes Tatay, Projektleiterin von Ärzte ohne Grenzen. "Aber diese Bedingungen spiegeln nur die verzweifelte Situation der Zivilbevölkerung wider, die intensiven Granatenangriffen und Schießereien ausgesetzt ist. Wir können auch nicht einschätzen, wie viele Kriegsverletzte und Cholera-Erkrankte unbehandelt bleiben, weil sie aufgrund der Kämpfe keinen Zugang zur medizinischen Versorgung haben." Allein in den ersten beiden Juliwochen hatten die Teams von Ärzte ohne Grenzen 700 Cholera-Patienten in Monrovia behandelt. Zurzeit ist der Zugang zu den Behandlungszentren allerdings aus Sicherheitsgründen unmöglich.
In der belagerten Hauptstadt werden die Lebensmittel nach Angaben der Organisation immer knapper, und die Preise sind explodiert: Der Kurs für eine Schale Reis ist bereits um ein Zehnfaches gestiegen.
In der Region Bong setzt ein liberianisches Team von Ärzte ohne Grenzen die Arbeit in den Vertriebenenlagern fort, in denen mehr als 60.000 Menschen leben. Seit Mai haben die Vertriebenen keine Nahrungsmittelhilfe mehr erhalten. Drei Viertel des Landes sind bis heute für humanitäre Hilfe unzugänglich.
Zurzeit arbeiten 300 liberianische und elf internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Monrovia, darunter ein Chirurg und ein Anästhesist.
| Liberia | |
|---|---|
| Fläche: | 97 754 km² |
| Einwohner: | 3,793 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,05/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 157/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 42 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 43 J. |