"Wegen der Kämpfe und der unsicheren Lage stehen wir jetzt ein zweites Mal innerhalb kürzester Zeit vor der Entscheidung, ob wir unsere Teams reduzieren", erklärt der für den Einsatz in Liberia zuständige Projektleiter Christopher Stokes. "Wir fühlen uns gegenüber der liberianischen Bevölkerung verantwortlich und möchten hier bleiben, um Hilfe zu leisten. Aber wir müssen uns auch eingestehen, dass unsere Möglichkeiten durch die angespannte Sicherheitslage zurzeit sehr begrenzt sind."
Nachdem am 17. Juni in Ghana ein Waffenstillstand zwischen den LURD-Rebellen und der Regierung von Charles Taylor geschlossen wurde, konnte die humanitäre Hilfe in der Hauptstadt zunächst wieder ausgeweitet werden. Doch nur wenige Tage nach der Wiedereröffnung des Redemption-Krankenhaus musste es jetzt aufgrund der Sicherheitslage erneut geschlossen werden. Ärzte ohne Grenzen hatte dort eine Cholera-Isolierstation eingerichtet, in der 35 Menschen behandelt wurden. Zudem betreute die Organisation ein Ernährungszentrum für schwer unterernährte Kinder.
Einige Patienten aus dem Redemption-Krankenhaus werden in provisorischen Krankenstationen versorgt. Diese wurden auf dem Gelände eingerichtet, auf dem die Teams von Ärzte ohne Grenzen untergebracht sind. Dort können ambulante und stationäre Behandlungen durchgeführt werden.
"Die Menschen hier sind bereits mehrmals durch die Hölle gegangen. Viele haben auf der Flucht vor den Kämpfen Familienmitglieder verloren. Andere sind auf ihrem Weg durch die Sümpfe ertrunken oder einfach nicht mehr herausgekommen. Und jetzt, wo sie uns am dringendsten brauchen, müssen wir unsere Hilfe aufgrund der Sicherheitslage erneut einschränken", beschreibt Christopher Stokes die verzweifelte Lage der Bevölkerung.
| Liberia | |
|---|---|
| Fläche: | 97 754 km² |
| Einwohner: | 3,793 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,05/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 157/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 42 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 43 J. |