Das sechsköpfige Team von Ärzte ohne Grenzen hat in dem Hanoier Krankenhaus eine Isolierstation für 100 Patienten eingerichtet. Die Mitarbeiter bilden das dortige Krankenhauspersonal im Umgang mit der ansteckenden Krankheit aus. Dies beinhaltet auch die psychologische Unterstützung der Patienten und des Personals. Darüber hinaus hat Ärzte ohne Grenzen Medikamente nach Hanoi geschickt.
"Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben sehr viel Erfahrung im Umgang mit Epidemien und mit der dabei notwendigen Isolierung der betroffenen Patienten. So können wir unseren vietnamesischen Kollegen helfen, mit der derzeitigen Situation umzugehen. Denn die Konfrontation mit dieser 'mysteriösen' Krankheit ruft natürlich auch Angst hervor", erklärt William Claus, der den Einsatz von Ärzte ohne Grenzen in Hanoi organisiert.
Auf der Isolierstation wurden bisher 58 Patienten behandelt, die mit dem Verdacht auf SARS eingeliefert wurden. Vier von ihnen sind verstorben, 27 konnten inzwischen entlassen werden. "Auch bei der Behandlung der Patienten konzentrieren wir uns nicht nur auf die medizinischen Aspekte", so Claus. "Wir haben begleitend ein Programm zur psychologischen Betreuung gestartet, denn die Patienten benötigen Hilfe bei der Verarbeitung des Traumas, das durch diese Krankheit und die damit verbundene Isolierung hervorgerufen wird."
William Claus zufolge geht die Anzahl neuer SARS-Verdachtsfälle im Bach-Mai-Krankenhaus derzeit zurück. Ärzte ohne Grenzen wird die Lage aber weiterhin genau beobachten, da über die Verbreitung der Krankheit noch sehr wenig bekannt ist.