Pressemitteilung

Angola: Etwa 10.000 hungernde Menschen in Mavinga eingetroffen

Genf/Berlin, 30. August 2002 - In den vergangenen Tagen haben Tausende von Menschen die sogenannten "Auffanglager" Matungo und Capembe in der Provinz Cuando Cubango verlassen und zu Fuß den etwa 50 Kilometer langen Weg nach Mavinga zurückgelegt. Diese Massenbewegung wurde ausgelöst, als das Welternährungsprogramm (WFP) die Nahrungsmittelverteilung in den Lagern für zwei Wochen unterbrechen musste, nachdem auf der Landepiste von Mavinga eine Mine entdeckt worden war.

Etwa 10.000 Menschen sind nach Mavinga aufgebrochen, in der Hoffnung, dort Nahrung zu finden. "Die Not ist so groß, dass sogar behinderte Menschen mit Prothesen und auf Krücken den weiten Weg auf sich genommen haben. Durch die Neuankömmlinge befinden sich in Mavinga doppelt so viele Menschen wie gewöhnlich. Es besteht die Gefahr einer Epidemie, da es an sauberem Trinkwasser fehlt und die Regenzeit bevorsteht", erklärt Fred Meylan, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Angola.

Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

Die Nahrungsmittelrationen, die zur Zeit in der Region verteilt werden, sind nicht ausreichend, um den Ernährungszustand der Bevölkerung zu stabilisieren. Innerhalb von nur zwei Tagen wurden 51 Kinder neu in das Krankenhaus eingewiesen, in dem die Organisation arbeitet, und 60 Kinder in das Ernährungszentrum von Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation kümmert sich zur Zeit um mehr als 1.700 unterernährte Menschen in Mavinga und in den Auffanglagern und erwartet, dass sich diese Zahl verdreifachen wird. "Die Region rund um Mavinga ist eines der Gebiete mit den meisten Minen. Weite Teile der Bevölkerung bleiben daher isoliert, und wir haben nach wie vor keinen Zugang zu ihnen", erläutert Fred Meylan.

Ernährungszentrum
Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.

 

Wenn in den nächsten Wochen keine Verteilung von Saatgut und Werkzeugen stattfindet, hängt das Überleben von Zehntausenden von Menschen in der Region bis zum nächsten Frühling allein von der humanitären Unterstützung ab. Außerdem müssen die Wege und Straßen unverzüglich von Minen geräumt werden, damit schnelle und dauerhafte Hilfe geleistet werden kann.

 


Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00


Länderinformationen

Angola
Angola
Fläche:1 246 700 km²
Einwohner:18,021 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
154/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):40 J.
Lebenserwartung (Frauen):43 J.