Weltweit sind rund 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. 95 Prozent von ihnen leben in ärmeren Ländern. "Diesen Menschen muss jetzt mit der Dreifach-Therapie geholfen werden", sagt Ludmilla Schlageter, Referentin der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.
Die ersten Erfahrungen, die die Organisation bei der Behandlung von HIV/Aids-Patienten mit der Dreifachtherapie gemacht hat, sind äußerst ermutigend. "Es ist revolutionär, dass wir in unseren Projekten in Guatemala mit antiretroviralen Medikamenten behandeln können, da diese für die Patienten in den meisten zentralamerikanischen Ländern unerschwinglich sind," berichtet Belen Pedrique, medizinische Koordinatorin in Guatemala. "Die Lebensqualität unserer Patienten hat sich drastisch verbessert. Es kommt viel seltener zu Begleitinfektionen, und die Patienten sind in der Lage, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren und sich um ihre Familien zu kümmern."
Da die Medikamentenpreise aufgrund des öffentlichen Drucks und des wirtschaftlichen Wettbewerbs in Folge der Generika-Produktion gefallen sind, können sich die Regierungen nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen nicht mehr aus der Verantwortung ziehen. "Es muss jetzt mit der Behandlung begonnen werden", fordert Schlageter. "Die Entwicklungsländer müssen dabei eine Vorreiterrolle übernehmen, und die Geberländer müssen die notwendigen Finanzmittel bereitstellen." Schlageter zufolge kann Ärzte ohne Grenzen nur in Pilotprojekten aufzeigen, dass eine Behandlung möglich ist. Für landesweite Programme seien jedoch die Regierungen verantwortlich.
Ärzte ohne Grenzen führt in etwa 30 Ländern HIV/Aids-Projekte mit den Schwerpunkten Prävention, Behandlung und psycho-soziale Betreuung durch. Mit der Dreifach-Therapie werden rund 700 Menschen in acht Ländern behandelt: in El Salvador Guatemala, Kambodscha, Kamerun, Kenia, Malawi, Südafrika, Thailand.