Pakistan 2012: Franziska Göttle, Ärztin, Pakistan, Ernährungszentrum in Dera Murad Jamali © Pik-Kwan Lee/MSF
 
Pakistan 2012: Franziska Göttle, Ärztin, Pakistan, Ernährungszentrum in Dera Murad Jamali


Mitarbeiterporträt

Franziska Göttle, Ärztin

Alter:

30

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Kinderchirurgie im Klinikum München Schwabing

Ausbildung:

Ärztin, in Weiterbildung zum Facharzt für Kinder-und Jugendmedizin

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2011/2012 für neun Monate in Pakistan

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

„Schweigeminute“ von Siegfried Lenz als selbstgemachtes Hörbuch, vorgelesen von meinem Freund für mich

Musik, die ich gehört habe:

Sigur Rós, Ska-P, Kings of Leon, Element of Crime

 

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

In meinem Projekt in Dera Murad Jamali in der Provinz Belutschistan lag der medizinische Schwerpunkt auf der Verbesserung der Mütter- und Kindergesundheit. Jeden Morgen hat sich das ganze Team im Büro getroffen, um die Sicherheitslage des Projekts zu besprechen. Danach wurde gemeinsam „Chai“ getrunken, und ich habe im Büro meine Arbeitsemails abgerufen oder mit den Logistikern anstehende Medikamentenlieferungen bzw. -engpässe besprochen. Dann bin ich ins Krankenhaus auf die Neugeborenen-Station und habe dort alle Kinder untersucht und ggf. den Medikamentenplan geändert oder gesunde Babys entlassen. Gegen Mittag bin ich gemeinsam mit dem zuständigen pakistanischen Arzt auf der Kinderstation Visite gegangen. Auf dieser Station lagen kranke und schwer mangelernährte Kinder bis zu fünf Jahren. Den ganzen Tag kamen zusätzlich Kinder in unsere Ambulanz, die untersucht und sofern nötig, stationär aufgenommen werden mussten. Auch viele Neugeborene, bei deren Geburt es zu Hause Komplikationen gegeben hatte, wurden zu uns gebracht. Zusätzlich galt es, nachmittags Medikamente zu bestellen, Fortbildungen zu organisieren, Daten zu sammeln und auszuwerten, Berichte zu schreiben oder Vorstellungsgespräche zu führen. Nachts wurde ich regelmäßig ins Krankenhaus gerufen, um kranke Kinder aufzunehmen oder um den pakistanischen Kollegen bei der Erstversorgung von Verletzen durch Schusswaffen oder Bombenexplosionen zu helfen.
Logistik
Planung und Organisation aller Aufgaben, die zur Durchführung der Projekte notwendig sind.

 

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

In meiner Freizeit habe ich gerne Yoga gemacht oder gelesen, immer wieder waren wir auch bei unseren nationalen Mitarbeitern zum Essen oder Tee trinken eingeladen.

 

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Besonders schön war es, das große Engagement unserer nationalen Mitarbeiter für unsere kleinen Patienten zu sehen. Die Arbeitsbelastung unseres Pflegepersonals im Krankenhaus war aufgrund der steigenden Patientenzahlen oft sehr hoch, zusätzlich waren viele der stationär aufgenommenen Kinder schwer krank und brauchten deswegen besonders intensive Pflege. Trotzdem haben sich unsere Krankenschwestern und -pfleger immer gefreut, neuen Patienten helfen zu können und haben zusätzlich mit Begeisterung an Fortbildungen teilgenommen oder sogar selbst welche organisiert.

 

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Aufgrund der strengen Sicherheitsvorkehrungen durften wir uns eigentlich nur im Krankenhaus oder in unserem Wohnhaus aufhalten. Ich habe es vermisst, mich draußen frei bewegen zu dürfen, spazieren zu gehen oder zu joggen.

 

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Die kleine Konja wurde direkt nach der Geburt zu uns gebracht, sie wog nur 900g und war viel zu früh auf die Welt gekommen. Die Mutter sei sehr krank, sagten die Angehörigen nur, als sie das Kind in unsere Obhut gaben und verschwanden. Trotz ihres schwierigen Starts ins Leben entwickelte sich Konja prächtig und schon nach wenigen Tagen konnten wir die Antibiotika absetzen und die Ernährungssonde entfernen. Viele Wochen blieb das Baby auf unserer Station, sie wuchs und gedieh, doch niemand aus seiner Familie kam, um es im Krankenhaus zu besuchen. Wir befürchteten das Schlimmste, doch schließlich, nach einem Monat, kam Konjas Mama, die nun endlich wieder gesund war. Sie freute sich unbändig, ihre kleine Tochter erstmals in die Arme zu nehmen und nach ein paar Tagen konnte sie das immer noch zarte, aber quicklebendige Kind mit nach Hause nehmen.

 

20. Februar 2012

Fotos: Pik-Kwan Lee/MSF

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Schwerpunkte des Monats: Februar 2012

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