Sudan 2009: Einer ihrer ersten Einsätze führte die Krankenschwester Ines Hake nach Darfur, wo sie unter anderem als medizinische Teamleiterin für ein Ernährungsprogramm arbeitete. © Ines Hake/MSF
 
Sudan 2009: Einer ihrer ersten Einsätze führte die Krankenschwester Ines Hake nach Darfur, wo sie unter anderem als medizinische Teamleiterin für ein Ernährungsprogramm arbeitete.


Mitarbeiterportrait

Ines Hake, Krankenschwester

Alter:

32

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Caritas-Klinik Maria Heimsuchung, Berlin
Zwischenzeitlich: Zeitarbeit als Krankenschwester für Intensivmedizin und Anästhesie

Ausbildung:

Examinierte Krankenschwester

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2007/2008 Irak/Erbil: spezialisierte Krankenschwester, Projekt für Kriegs- und Brandverletzte

2008/2009: Sudan/Darfur: 2 Projekte Krankenschwester/medizinische Teamleiterin (Ernährungsprogramm, Krankenhaus, mobile Klinik, OP, Entbindungsstation, ambulante Station, Apotheke)

2009: Äthiopien/Somali-Region: leitende Krankenschwester/ medizinische Teamleiterin (Krankenhaus, Ernährungsprogramm, Entbindungsstation, Tuberkulose, ambulante Station, Apotheke)

2010/2011: Südsudan/ Agok: medizinische Teamleiterin (Notfalleinsatz, Kriegsverletzte, Ernährungsprogramm, Tuberkulose, OP, Entbindungsstation, ambulante Station, mobile Kliniken, Krankenhaus, Apotheke, medizinische Erkundungen, Masernausbruch, Massenimpfkampagne)

2011: Libyen: spezialisierte Krankenschwester (OP, mobile Klinik für Migranten, medizinische Erkundungen)

2011: Südsudan/Abyei: Koordinatorin des Ernährungsprogramms (Erhebung der Ernährungssituation während der Hungerkrise)

2012: Südsudan und Sudan: Medizinische Koordinatorin

Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Musik, die ich gehört habe:

Alles, was deutsch ist, um mich zu Hause zu fühlen, von Soul bis Punk

 

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Mein letzter Einsatz war ein kurzer als Koordinatorin des Ernährungsprogramms in dem Projekt, in dem ich vorher für fast ein Jahr als medizinische Teamleiterin gearbeitet hatte. Es war eine kurze, aber sehr intensive Zeit mit viel Training und ganz, ganz vielen Kindern. Nachdem wir alles organisiert hatten (das heißt: ein Mapping der Region erstellen, Mitarbeiter finden und trainieren und die logistischen Probleme aus dem Weg räumen), sind wir für 8 Tage mit 4 Teams in die verschieden Orte gefahren, um alle Kinder unter fünf Jahren zu wiegen und zu messen und wenn notwendig in ein Ernährungszentrum zu überweisen. Danach ging es zurück nach Genf und zum Auswerten der Daten - und diese waren beängstigend.

Ich bin sehr mit diesem Projekt verbunden und es war schön zurückzukehren. Im vergangenen Jahr haben wir so alles in diesem Projekt mitgemacht, was in einem Krisengebiet anfallen kann. Zum regulären Betrieb von einem 70-Betten-Krankenhaus kam ein zweifacher Masernausbruch und deshalb eine Massenimpfkampagne, eine Verdoppelung unserer Kinder im Ernährungsprogramm, ein starker Zustrom von Kriegsverletzten und Flüchtlingen. Ich war dafür zuständig, das Projekt auf der medizinischen Ebene am laufen zu halten, auf Krisen zu reagieren und immer wieder alle zu motivieren... Harte, tolle Arbeit.

Der beste Moment war unsere erste erfolgreiche OP in der Nacht zum 24.12.2010, als unser Weihnachtsengel per Kaiserschnitt geboren wurde und Mutter und Kind überlebten. Wie es im Sudan oft der Fall ist, kam das Kind zu früh.

Ernährungszentrum
Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.

 

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Freizeit??? Was ist das?

Wir saßen zusammen, etwas Sport und vor allem Chatten im Internet mit den Freunden zu Hause - und SCHLAFEN.

 

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Mitarbeit der nationalen Kräfte, das warme „welcoming back“. Und vor allem die Zusammenarbeit mit dem regulären Projekt.

 

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Meine Freunde und das gute Essen.

 

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich gehe zurück, diesmal als medizinische Koordinatorin - es scheint so zu sein, dass ich MSF-abhängig bin. Aber ich würde gern noch studieren

 

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Es gibt zu viele, in jedem Projekt gibt es wenigstens ein Kind, das ich nicht vergessen werde. Im Irak war es Omer, der so tapfer durch die Behandlung seiner Verbrennung gegangen ist und mich fragte, ob ich in 10 Jahren wiederkomme, damit er mich heiraten kann. Im Sudan unser Valentinsbaby, das am 14.2. geboren wurde und jetzt meinen Namen trägt. Es war nicht klar, ob ich es wirklich lebend entbinden kann, da es nicht korrekt positioniert war und wir nicht im Krankenhaus waren. Nun heißt es Ines Ahmed Mohamed Isak. In Äthiopien Nada, ein 12jähriges Mädchen, dass mit sieben Kilo mit Tuberkulose zu uns kam und zu schwach war zum Sitzen. Nach 2 Monaten durfte es hüpfend und mit Heimmedikation nach Hause. Auch die 11 Monate im Südsudan waren einfach nur voll von tollen Momenten.

Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

05. Januar 2012

Fotos: Ines Hake/MSF

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Schwerpunkte des Monats: Mai 2012

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