Mitarbeiterporträt
Manuela Rehr, Laborantin
Manuela Rehr war 10 Monate für Ärzte ohne Grenzen in Lesotho.
Alter:
30
Letzte Arbeitsstelle:
Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Ausbildung:
Mikrobiologin
Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:
2007/2008 für zehn Monate in Lesotho
Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:
Während meiner Freizeit habe ich sehr viel gelesen und mir sogar einmal im Internet aus Deutschland ein paar Bücher nach Lesotho bestellt. Ein Buch, das mir sehr lange in Erinnerung geblieben ist, war "Der Zahir" von Paulo Coelho.
Musik, die ich gehört habe:
Ich habe zwar sehr viel Musik auf meinem mp3-Player mitgebracht, aber hauptsächlich Tori Amos, Snow Patrol und Grönemeyer gehört. Irgendwann habe ich auch eine Vorliebe für traditionelle südafrikanische Musik entdeckt und mir einige CDs von lokalen Musikern gekauft.
Wie sah dein Berufsalltag mit Ärzte ohne Grenzen aus?
Unser Projekt in Lesotho ist in einem Krankenhaus des kleinen Dorfes Morija, etwa 40 km südlich der Hauptstadt Maseru. Zu dem Krankenhaus in Morija gehören zudem 14 kleinere Gesundheitszentren, die teilweise hoch in den Bergen liegen und schwer zu erreichen sind. In diesen Gesundheitszentren kümmert sich medizinisches Personal aus Lesotho um die Patienten und wird einmal wöchentlich vom Team von Ärzte ohne Grenzen unterstützt.
Ich habe in Morija gearbeitet und war für alles verantwortlich, was mit der Labordiagnose von Krankheiten (hauptsächlich Tuberkulose und HIV) zu tun hatte. Dazu gehörte in erster Linie die technische Hilfestellung für die lesothischen Mitarbeiter bei den einzelnen Diagnosemethoden, aber auch viel Unterstützung beim Management des Laboralltags. Für mich war dabei immer besonders wichtig, dass die Laborangestellten selbstständig und unabhängig von Ärzte ohne Grenzen arbeiten können, um die Nachhaltigkeit zu fördern.
Viel Zeit habe ich auch mit Überlegungen zu strategischen Fragen verbracht, so evaluierte ich beispielsweise neue Diagnosemethoden und organisierte deren Einführung im Labor. Da solche Neuerungen immer auch in Abstimmung mit dem lokalen Gesundheitsministerium und anderen Labors in Lesotho geplant werden mussten, habe ich auch an Treffen der (Regierungs-)verantwortlichen teilgenommen, um unsere Strategien zu präsentieren.
Von Zeit zu Zeit bin ich mit dem mobilen medizinischen Team in die Gesundheitszentren gefahren, um zu sehen, ob die vor Ort durchgeführten HIV-Tests ohne Probleme ablaufen und um Fragen zu Labortests zu beantworten. Das war eine tolle Gelegenheit, Land und Leute besser kennenzulernen.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Was hast du in deiner Freizeit gemacht?
Entweder habe ich mit meinen Teamkolleginnen Schokoladenkuchen gebacken oder einfach nur auf unserer Terrasse "gequatscht". Ansonsten habe ich viel gelesen und geschlafen. Am Wochenende sind wir meistens nach Südafrika gefahren, um Lebensmittel zu kaufen und einfach mal wieder einen guten Kaffee zu trinken.
Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?
Ich habe die Arbeit als unkompliziert und sehr nah am Menschen empfunden, was ich sehr schätzte. Das Wohl der Patienten stand immer im Mittelpunkt. Es war ein sehr gutes Gefühl, durch meine Arbeit so direkt dazu beitragen zu können, die medizinische Versorgung der Menschen dort zu verbessern.
Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?
In erster Linie haben mir meine Freunde und meine Familie gefehlt. Abgesehen davon habe ich auch kulinarische Dinge wie Schweizer "Gipfli" (besonders die mit Schokolade) und echten Käse vermisst.
Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Ich reise sehr bald wieder in ein Projekt für Ärzte ohne Grenzen, diesmal nach Homa Bay in Kenia. Auch für die langfristige Zukunft plane ich, in diesem Bereich tätig zu sein.
Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?
Es ist die Kombination vieler verschiedener Aspekte, durch die die Arbeit in Lesotho zu einer sehr schönen Erinnerung geworden ist. Einerseits war es natürlich die Arbeit selbst, die abwechslungsreich und sehr befriedigend war. In Erinnerung bleiben mir aber auch das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team und ganz besonders die freundschaftliche Beziehung zu meinen Mitbewohnerinnen - ich hatte nie das Gefühl, einsam zu sein.
01. April 2008
Fotos: Barbara Sigge