Mitarbeiterporträt
Gönke Focken, Ärztin
Indonesien 2008: Gönke Focken
Alter:
30 Jahre
Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:
Krankenhaus Holzminden
Ausbildung:
Assistenzärztin für Innere Medizin
Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:
Manipur, Indien für 11 Monate
Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:
Ich habe alles mögliche gelesen, was im Projekt vorhanden war. Besonders gut hat mir "An Equal Music` von Vikram Seth gefallen. Aus Deutschland hatte ich nur "Zum Leuchtturm" von Virginia Woolf mitgenommen, das ich dann im Urlaub gelesen habe, weil ich dafür Zeit und Ruhe brauchte.
Musik, die ich gehört habe:
Carla Brunis Chansons, Mozart, Coldplay
Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?
Ärzte ohne Grenzen hilft der Bevölkerung im Bundesstaat Manipur. Das ist ein Gebiet, in dem die Basisgesundheitsversorgung schlecht ist und es zudem eine hohe Zahl von HIV-positiven Menschen gibt. Wir arbeiten dort in fünf Gesundheitszentren. Ich war für die Basisgesundheitsarbeit zuständig, zu der auch die Schwangerenvor- und -nachsorge gehört. Zudem habe ich unser Ernährungsprogramm betreut und war für die vier Gesundheitszentren verantwortlich, die in entfernteren Gebieten liegen. In unserem Projekt werden auch HIV und Tuberkulose behandelt, wofür eine andere Ärztin zuständig war.
Ich habe intensiv mit sechs nationalen Ärzten und Ärztinnen zusammengearbeitet und mit fünf Krankenschwestern, die sich um die schwangeren Patientinnen gekümmert haben. Ich musste neue Protokolle entwickeln, Berichte verfassen, mich um die Organisation der Gesundheitszentren kümmern und die nationalen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiterbilden.
Insgesamt ging es viel um Organisation und Kommunikation, was aber Spaß gemacht hat, da das nationale Team sehr gut und motiviert ist.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Was hast du in deiner Freizeit gemacht?
Ich habe viel gelesen und mit meinen Kolleginnen (wir waren vier Frauen im Projekt) geredet, die über viele interessante Erfahrungen mit Ärzte ohne Grenzen berichten konnten. Am Wochenende war ich manchmal auch Laufen oder ein bisschen Wandern in der Umgebung.
Was hast du am meisten geschätzt während deines Projektaufenthalts?
Das Arbeiten im Team mit erfahrenen und kompetenten internationalen Kollegen, die mich viel unterstützt haben, und mit dem tollen nationalen Team.
Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?
Meine Familie, meine Freunde und das Meer (meine Heimatstadt liegt an der Nordsee).
Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Zunächst möchte ich meine Facharztausbildung weiterführen. Später würde ich sehr gerne mit Ärzte ohne Grenzen in ein weiteres Projekt gehen.
Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?
Dass wir es geschafft haben, eine Frau in verlängerten Wehen aus einem entlegenen Dorf in die Stadt zu bringen, wo sie einen Kaiserschnitt bekommen konnte und von einem gesunden Mädchen entbunden wurde. Unsere Mitarbeiter sind die ganze Zeit bei ihr geblieben und haben Essen für ihre Familie organisiert und sie vom OP zurück in ihr Zimmer getragen.
01. Januar 2008
Fotos: privat