"Ob diese Geschichte stimmt oder nicht, allein die Andeutung, dass medizinische Hilfe unter einem Vorwand geleistet wurde, schadet der Wahrnehmung von humanitärer Hilfe und ihren Absichten in der Öffentlichkeit", erklärt Unni Karunakara, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. "Es gibt so viele Völker in Not, und für medizinische und humanitäre Organisationen ist die Herausforderung bereits groß genug, sie zu erreichen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Vor allem bei Bevölkerungsgruppen, die in Bezug auf die Beweggründe von Hilfe bereits skeptisch sind."
Der betrügerische Einsatz medizinischer Hilfe gefährdet auch jene, die tatsächlich dringend benötige Hilfe leisten. Außerdem verletzt eine medizinische Handlung ohne therapeutischen oder präventiven Nutzen zu rein militärisch-politischen Zwecken die medizinische Ethik, die bedarfsorientiertes Handeln zum Nutzen der Patienten vorschreibt.
Unparteiische humanitäre Hilfe erfordert die Akzeptanz aller Gemeinschaften und Kriegsparteien in einer Region- seien es nationale Regierungen, bewaffnete Oppositionsgruppen, internationale Truppen oder auch kriminelle Gruppierungen. In allen Konflikten oder spannungsreichen Kontexten kann der Zugang zu ihnen nur erreicht und aufrechterhalten werden, wenn klar ist, dass humanitäre Organisationen ausschließlich im Interesse jener handeln, die die Hilfe erhalten.
"Die angebliche CIA-Schein-Impfkampagne ist eine schwerwiegende Manipulation der medizinischen Handlung", erklärt Dr. Karunakara. "Es besteht die Gefahr, dass verletzliche Bevölkerungsgruppen, die Zugang zu lebensnotwendiger Gesundheitsversorgung benötigen, verständlicherweise die wahren Beweggründe medizinischer Helfer und humanitärer Hilfe in Frage stellen - und zwar überall. Die mögliche Konsequenz daraus ist, dass sogar eine Basis-Gesundheitsversorgung, einschließlich Impfkampagnen, nicht jene erreicht, die sie am dringendsten benötigen.