Pakistan wurde das ganze Jahr über von intensiver Gewalt erschüttert. Der Konflikt zwischen der pakistanischen Armee und bewaffneten Oppositionsgruppen in der nordwestlichen Grenzprovinz (NWFP) und den föderal verwalteten Stammesgebieten (FATA) hat mehr als zwei Millionen Menschen vertrieben. Bombardierungen in großen Städten Pakistans haben Hunderte Menschen getötet und Tausende verletzt. In der Provinz Belutschistan ging der anhaltende Konflikt unbemerkt von der Öffentlichkeit weiter. Im ganzen Land leiden die Menschen unter fehlender Gesundheitsversorgung. Pakistan weist eine der höchsten Kinder- und Müttersterblichkeitsraten in der Region auf. Ärzte ohne Grenzen war im April gezwungen, die Arbeit im Swat-Tal aufgrund der zunehmenden Gewalt zu unterbrechen. Ärzte ohne Grenzen war die einzige internationale Organisation, die das Krankenhaus in der Stadt Mingora unterstützt hatte. Im Februar wurden zwei medizinische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen - Riaz Ahmad und Nasar Ali - erschossen, während sie mit einem gekennzeichneten Krankenwagen unterwegs waren, um Verletzte der Kämpfe in der Stadt Charbagh zu retten.
Die Bevölkerung floh aus dem Swat-Tal und aus der Region Buner in andere Teile der nordwestlichen Grenzprovinz, die meisten Menschen kamen bei Gastfamilien unter. Die Hilfeleistung für die Vertriebenen war extrem schwierig, da die Gebiete schwer zugänglich waren. Ärzte ohne Grenzen hat es dennoch geschafft, vielen Menschen zu helfen, die in Schulen, Gemeinschaftszentren und privaten Häusern untergekommen waren.
Ärzte ohne Grenzen hat Tausende Menschen in Krankenhäusern und Vertriebenenlagern in den Distrikten Mardan, Malakand, Peschawar und Lower Dir behandelt, bevor sie nach Hause zurückkehren konnten. Viele Patienten in Lower Dir litten unter ernsten kriegsbedingten Verletzungen, darunter waren Kinder mit Schussverletzungen. Ende Oktober griff die pakistanische Armee die Milizen in Bajaur Agency wieder an, was zu erneuter Flucht in Richtung Lower Dir führte.
Mitte Oktober griff die pakistanische Armee Milizen an, die sich in Süd-Wasiristan verschanzt hatten. Berichten zufolge flohen etwa 300.000 Menschen in den Nachbarbezirk Dera Ismael Khan. Trotz großer Not verweigerten die Behörden Aufenthaltsgenehmigungen für internationale Mitarbeiter. Die Kämpfe in der Region Kurram Agency führten beinahe zum Kollaps des dortigen Gesundheitssystems. Am 9. Dezember hat eine Rakete zum zweiten Mal das Sada Krankenhaus getroffen. Ärzte ohne Grenzen forderte daraufhin alle in den Konflikt involvierten Parteien auf, die Sicherheit des Krankenhauses zu garantieren.
Das Leid ging auch in der Region Belutschistan weiter, in der die Bevölkerung vernachlässigt und diskriminiert wird. Die Gesundheitsversorgung in der östlichen Region ist bestenfalls minimal und die Mütter- und Kindersterblichkeit sehr hoch. Im westlichen Teil der Region an der Grenze zu Afghanistan versorgte Ärzte ohne Grenzen afghanische Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung.
In einer Region, in der westliche Kräfte, die in die Aktivitäten gegen Aufständische involviert sind, auch die Geldgeber sind, wird humanitäre Hilfe oft mit politischen Zielen in Zusammenhang gebracht. Wie in allen Konfliktgebieten distanziert sich Ärzte ohne Grenzen als internationale private medizinische Organisation, die unabhängig von politischen, religiösen und wirtschaftlichen Motiven arbeitet, von diesen Zielsetzungen. Ärzte ohne Grenzen akzeptiert für die Arbeit in Pakistan keine Regierungsgelder und finanziert die Projekte ausschließlich mit privaten Spenden.
| Pakistan | |
|---|---|
| Fläche: | 796 095 km² |
| Einwohner: | 166,037 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,7/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 79/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 64 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 65 J. |