Jemen 2009: Im November begann Ärzte ohne Grenzen in Mandabah, einige Kilometer von der saudischen Grenzen entfernt, mit Aktivitäten. Die lokale Gesundheitseinrichtung wurde wiederhergestellt und die medizinische Behandlung dort ausgeweitet. © Ärzte ohne Grenzen
 
Jemen 2009: Im November begann Ärzte ohne Grenzen in Mandabah, einige Kilometer von der saudischen Grenzen entfernt, mit Aktivitäten. Die lokale Gesundheitseinrichtung wurde wiederhergestellt und die medizinische Behandlung dort ausgeweitet.


Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2009

Brutaler Krieg im nördlichen Jemen: Zivilisten sitzen fest

Fünf ungelöste Kriege in Jemens nördlichem Regierungsbezirk Saada führten 2009 zum sechsten und bislang intensivsten Konflikt. Die humanitären Folgen waren beispiellos: Zivilisten und nicht-militärische Ziele wie Krankenhäuser wurden durch die Kämpfe schwer getroffen, Hunderttausende Menschen vertrieben, und die humanitäre Hilfe kam praktisch zum Erliegen.

Anhänger der Al-Houthi-Bewegung haben seit 2004 mehrere Kriege im Regierungsbezirk Saada gegen die Regierung geführt. Sie behaupten, dass sie sozial, wirtschaftlich, politisch und religiös marginalisiert werden. Die Gewalt eskalierte im August 2009, als die jemenitische Armee Luftangriffe flog und mit Geschützen gegen die Al-Houthi-Rebellen vorging. Die Kämpfe brachen in 13 der 15 Distrikte des Regierungsbezirks aus. Im November griffen erstmalig saudische Truppen in den Konflikt ein, indem sie Luftangriffe gegen die Stellungen der Rebellen auf jemenitischer Seite flogen.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen arbeiteten im Krankenhaus der Stadt Razeh, das selbst zur Zielscheibe der Gewalt wurde. Die Kämpfe in der Region erschwerten den Patienten den Zugang zum Krankenhaus. In der Stadt Al-Talh führte Ärzte ohne Grenzen im August und September 195 chirurgische Eingriffe durch. Schließlich zwang die Gewalt Ärzte ohne Grenzen, die Arbeit im städtischen Krankenhaus einzustellen. Raketen trafen Mitte Oktober auch das Krankenhaus in Razeh, was ebenfalls zur Aussetzung der Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen und zur Evakuierung des Personals führte. Es war die letzte funktionierende medizinische Einrichtung außerhalb der Stadt Saada. Durch den Rückzug von Ärzte ohne Grenzen verlor der größte Teil der Bevölkerung jeglichen Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Eine weitere Folge der Gewalt war, dass Tausende Zivilisten innerhalb von Saada gen Norden flohen, sowie Zehntausende in die benachbarten Regierungsbezirke Hajja, Amran und Al-Jawf, in denen es keine oder kaum medizinische Hilfe gibt.

In Mandabah, im Distrikt Baquim an der Grenze zu Saudi-Arabien, leistete Ärzte ohne Grenzen seit Mitte August 2009 medizinische Hilfe für die Vertriebenen und stellte Trinkwasser zur Verfügung. Mitte November konnten die Mitarbeiter in der Stadt ein Krankenhaus einrichten.

Ärzte ohne Grenzen reagierte im November außerdem auf akute Mangelnährung bei vertriebenen Kindern im Lager Mazrah im Regierungsbezirk Hajjah, in dem acht Prozent der Kinder unter fünf Jahren schwer mangelernährt waren.   An den Stränden im Südjemen spielte sich 2009 eine andere humanitäre Krise ab. Seit Anfang des Jahres kamen mehr als 50.000 somalische Flüchtlinge und äthiopische Migranten über den Golf von Aden. Im Vergleich zu 2008 nahm die Zahl der Flüchtlinge und Migranten um 50 Prozent zu. Bis zum Jahresende waren wenigstens 266 Menschen bei der Überfahrt ertrunken, 153 wurden auf offener See vermisst. Ärzte ohne Grenzen versorgte dieses Jahr im südlichen Jemen mehr als 5.600 Flüchtlinge.

21. Dezember 2009

Fotos: Ärzte ohne Grenzen



Länderinformationen

Jemen
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