D.R. Kongo 2009: Eine Frau, unterwegs im Dorf Mweso in der Provinz Nordkivu. © Michael Goldfarb
 
D.R. Kongo 2009: Eine Frau, unterwegs im Dorf Mweso in der Provinz Nordkivu.


Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2009

D.R. Kongo: Bevölkerung leidet weiterhin unter anhaltender Gewalt

Die Bevölkerung im Osten der D.R. Kongo litt auch während des Jahres 2009 unter der anhaltenden Gewalt, für die verschiedene bewaffnete Gruppierungen verantwortlich sind. Hunderte Menschen wurden getötet, Tausende Frauen, Kinder und manchmal auch Männer vergewaltigt. Hunderttausende Menschen flohen aus ihren Häusern. Bewaffnete Gruppierungen haben in Nordkivu Terror verbreitet, indem sie Häuser geplündert und niedergebrannt haben, als Racheakte für die vermeintliche Unterstützung der Gemeinden für verschiedene Gruppierungen.

Die Kämpfe wurden im Jahr 2008 hauptsächlich zwischen der kongolesischen Armee (FARDC) und der Rebellengruppe "Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes" (CNDP) ausgetragen. Im vergangenen Jahr änderte sich der Konflikt, als die kongolesische und die ruandische Armee in Nord- und Südkivu Angriffe gestartet haben, um die ruandischen Rebellen der "Demokratischen Kräfte zur Befreiung von Ruanda" (FDLR) auszulöschen. Die kongolesische Armee wird von der Friedensmission der Vereinten Nationen in der D.R. Kongo (MONUC) unterstützt.

Teams von Ärzte ohne Grenzen haben im Oktober in sieben Orten im von der FDLR kontrollierten Gebiet in der Region Masisi Tausende Kinder gegen Masern geimpft, unterstützt vom kongolesischen Gesundheitsministeriums. Die kongolesische Armee hat die sieben Orte während der Impfkampagne angegriffen, so dass die Bevölkerung und die Mitarbeiter der Hilfsorganisation um ihr Leben rennen mussten. Die Angriffe fanden trotz Sicherheitsabsprachen mit allen beteiligten Parteien statt. Ärzte ohne Grenzen hat die Militäroffensive sofort verurteilt. Die Impfkampagne konnte in anderen Gebieten fortgesetzt werden. Es wurden insgesamt 165.000 Kinder geimpft.

Trotz der wachsenden Unsicherheit im Osten der D.R. Kongo hat Ärzte ohne Grenzen weiterhin Hunderttausende Menschen medizinisch unterstützt. Die Organisation macht mobile Kliniken und Impfkampagnen, behandelt Patienten ambulant und stationär, hat Cholerabehandlungszentren und Kliniken für Opfer sexueller Gewalt und verteilt Hilfsgüter. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige Hilfsorganisation, die in Nordkivu chirurgisch arbeitet.

Gleichzeitig waren die Menschen in den Regionen Haut-Uélé und Bas-Uélé im Norden der D.R. Kongo in einem dramatischen Gewaltkreislauf gefangen, der auf Angriffen der ugandische Rebellengruppe Lords Resistance Army (LRA) sowie der ugandischen und kongolesischen Armeen gegen die LRA basiert, außerdem nimmt das Banditentum zu. Hunderttausende Menschen mussten im vergangenen Jahr fliehen.   Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen Hilfsorganisationen vor Ort, die Tausende Vertriebene unterstützt und ruft andere Hilfsorganisationen dazu auf, in den von der Gewalt am stärksten betroffenen ländlichen Regionen mehr Präsenz zu zeigen.

21. Dezember 2009

Fotos: Michael Goldfarb



Länderinformationen

Kongo Dem.Rep.
Kongo Dem.Rep.
Fläche:2 344 885 km²
Einwohner:64,205 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
129/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):43 J.
Lebenserwartung (Frauen):45 J.
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