Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

D.R. Kongo: Zivilbevölkerung in Kriegsgebiet im Osten gefangen


D.R. Kongo 2008: Die Mensch im Osten des Kongos brauchen dringend Hilfe. © Francoise Dumont
D.R. Kongo 2008: Die Mensch im Osten des Kongos brauchen dringend Hilfe.

Die kongolesische Provinz Nord-Kivu kommt nicht zur Ruhe. Eine im Januar 2008 unterzeichnete Waffenstillstandsvereinbarung wurde nicht eingehalten und Ende August kam es in der Region wieder zu heftigen Kämpfen. Hunderttausende Menschen sind seitdem erneut auf der Flucht, auf der verzweifelten Suche nach Sicherheit. Die vielfach bereits zum wiederholten Male Vertriebenen haben keinen oder nur schlechten Zugang zu medizinischer Versorgung, Nahrung, Trinkwasser und Notunterkünften. Sie kommen in Lagern, bei einheimischen Familien unter oder verstecken sich in den Wäldern, wo sie weiter von Übergriffen zahlreicher bewaffneter Gruppen bedroht sind. Trotz des UN-Mandats konnte die Blauhelmtruppe MONUC die Zivilbevölkerung nicht vor Gewalt und Vertreibung schützen.

Die Vertriebenen sind extrem anfällig für einfach behandelbare Krankheiten, wie Atemwegserkrankungen und Durchfall, und leiden an Mangelernährung. Darüber hinaus werden aus verschiedenen Gebieten Cholerafälle gemeldet, auch aus solchen, wo die schwere Durchfallerkrankung normalerweise nur selten auftritt. Unzureichende Hygiene, verschmutztes Trinkwasser, die Entbehrungen der Flucht und die überfüllten Vertriebenenlager begünstigen den Ausbruch der Krankheit.

Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten in zahlreichen Projekten in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu medizinische Not- sowie einfache und weiterführende Gesundheitsversorgung, stellen Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen bereit und verteilen Hilfsgüter wie Decken und Materialien zum Bau von Notunterkünften.

Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen Hilfsorganisationen, die außerhalb Gomas, der Provinzhauptstadt Nod-Kivus, tätig sind. Angesichts der sich verschlechternden Lage der Menschen haben die Teams ihre Notfalleinsätze noch ausgeweitet. Aufgrund der unsicheren Lage und anhaltender Kämpfe bleiben einige Gebiete aber unerreichbar und die dortigen Menschen von jeglicher Gesundheitsversorgung abgeschnitten.

Atemwegserkrankungen
allgemeiner Ausdruck für ein großes Spektrum von Erkrankungen, die die Atemwege (Hals, Nasennebenhöhlen, Bronchien, Lunge) betreffen.
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

22. Dezember 2008

Fotos: Francoise Dumont



Länderinformationen

Kongo Dem.Rep.
Kongo Dem.Rep.
Fläche:2 344 885 km²
Einwohner:64,205 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
129/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):43 J.
Lebenserwartung (Frauen):45 J.
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