Mittlerweile sind nahezu vier Jahre vergangen, seit die am intensivsten geführten Kämpfe zwischen der russischen Zentralregierung und den Rebellentruppen in der nordkaukasischen Republik Tschetschenien abgeebbt sind. Zehntausende Vertriebene, die in die Nachbarrepubliken Inguschetien und Dagestan geflohen waren, sind nach Tschetschenien zurückgekehrt. Große Anstrengungen werden unternommen, um den Wiederaufbau der vor weniger als einem Jahrzehnt von schweren Bombardements zerstörten Hauptstadt Grozny voranzubringen. Auch der Flughafen des Landes konnte wiedereröffnet werden.
Dennoch muss die Kaukasusregion weiterhin als ein Pulverfass bezeichnet werden. Außerhalb Tschetscheniens sind die Kämpfe wieder aufgeflackert, und die gesamte Region ist nach wie vor von hoher Militärpräsenz geprägt. Entführungen, Morde, das Verschwinden von Personen und Bombenanschläge sind vor allem in Inguschetien, Nordossetien und Dagestan auf der Tagesordnung. Auch im Inneren Tschetscheniens ist die Lage für die Zivilbevölkerung noch immer angespannt. Ebenso leicht kann man in einen sporadischen Schusswechsel geraten wie in einen Autounfall mit schweren Militärfahrzeugen verwickelt werden, wobei letzteres in jüngerer Zeit zu einer häufigen Ursache traumatischer Verletzungen geworden ist.
Der Krieg in Tschetschenien hat auch dem Tuberkulose(TB)-Kontrollsystem des Landes schwer zugesetzt. Ärzte ohne Grenzen unterstützt deshalb unter anderem Tuberkulose-Krankenhäuser, die für die Betreuung von 400.000 Menschen zuständig sind. Auch benötigen viele Überlebende der Kriegshandlungen dringend eine weitere Behandlung ihrer schweren Verletzungen. Ärzte ohne Grenzen unterhält daher seit 2006 ein Programm für rekonstruktive Chirurgie im Krankenhaus Nr. 9 von Grozny.