D.R. Kongo

Verschlechterung der Lage in der Demokratischen Republik Kongo


D.R. Kongo 2007:  © Marcus Bleasdale
D.R. Kongo 2007:

 

Obwohl der Konflikt im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo Schlagzeilen machte, spielte die humanitäre Lage der Menschen in der umkämpften Region Nordkivu kaum eine Rolle in den Medien. Auch mehr als ein Jahr nach den ersten demokratischen Wahlen in Jahrzehnten, die dem Land endlich Stabilität bescheren sollten, halten die Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen in Nordkivu an. Mit Unterstützung der UN-Missionstruppe MONUC befindet sich die Regierungsarmee derzeit im offenen Gefecht mit den Kräften des Rebellenführers Laurent Nkunda. Ebenso beteiligt an den Kämpfen sind Gruppierungen wie die Mai Mai und die Ruandischen Hutu-Rebellen der FDLR (Democratic Forces for the Liberation of Rwanda).

Hunderttausende Zivilisten mussten im vergangenen Jahr aus ihren Dörfern flüchten, viele darunter nicht zum ersten Mal. Angesichts der ständigen Bedrohung durch die verschiedenen bewaffneten Einheiten müssen sich die Vertriebenen häufig in Wäldern verstecken, wo es an Nahrung und grundlegender medizinischer Betreuung fehlt. Da die Versorgungswege weitgehend abgeschnitten sind, sterben viele Kongolesen an eigentlich einfach zu behandelnden Krankheiten. Die Mehrheit leidet an Unterernährung, Malaria und Erkrankungen der Atemwege. Auch Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt stellen ein ernstes Problem dar. Zudem ist in Rutshuru und in Goma, der Provinzhauptstadt Nordkivus, eine Cholera-Epidemie ausgebrochen.

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.

 

Menschen durch Kämpfe und Unsicherheit nicht erreichbar

Ärzte ohne Grenzen hat angesichts dieser Probleme seine Tätigkeiten in der Region verstärkt, obwohl sich die Arbeit der Helfer wegen der anhaltenden Kämpfe und Unsicherheit äußerst schwierig gestaltet. Weite Regionen sind überhaupt nicht erreichbar, Straßen enden einfach im Kampfgebiet. Zu den besonders alarmierenden Aspekten des Konflikts in der Demokratischen Republik Kongo zählt die hohe Zahl an sexuellen Übergriffen. Allein im Zeitraum Januar bis Oktober 2007 begaben sich in Nordkivu mehr als 2.375 Opfer sexueller Gewalt in die Behandlung von Ärzte ohne Grenzen.

In der Region Ituri, wo sich wiederum andere bewaffnete Gruppen als in Nordkivu bekriegen, können noch immer 150.000 Vertriebene nicht in ihre Dörfer zurückkehren. In einem Zustand äußersten Elends sind sie Ausbeutung und Übergriffen praktisch wehrlos ausgeliefert. Im Bon Marché Hospital von Bunia, der Hauptstadt der Region Ituri, behandelte Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen vier Jahren insgesamt 7.400 Opfer von Vergewaltigungen.

Auch in anderen Regionen des Landes forderten im vergangenen Jahr zahlreiche Epidemien den besonderen Einsatz von Ärzte ohne Grenzen, darunter ein Ausbruch des Ebola-Virus in der Provinz West-Kasai.

Ebola
Hochansteckende Viruserkrankung, die zu den hämorrhagischen Fiebern zählt und meist tödlich verläuft. Symptome sind unter anderem hohes Fieber, Erbrechen und Blutungen. Patienten müssen isoliert und Kontaktpersonen überwacht werden.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Virus
Viren sind Erreger, die entweder nur DNA oder RNA enthalten und zu ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung die Enzyme einer Wirtszelle benötigen, auf die sie sich dann häufig krankheitsauslösend wirken.

 

 

20. Dezember 2007

Fotos: Marcus Bleasdale



Länderinformationen

Kongo Dem.Rep.
Kongo Dem.Rep.
Fläche:2 344 885 km²
Einwohner:64,205 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
129/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):43 J.
Lebenserwartung (Frauen):45 J.
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