"Ärzte ohne Grenzen ist wie andere Hilfsorganisationen auf eine stabile Versorgung mit bezahlbaren generischen Medikamenten aus Indien angewiesen, um Patienten in ärmeren Ländern behandeln zu können. Das 'Nein' zur Datenexklusivität sichert den Zugang der Patienten zu bezahlbaren Medikamenten - und zwar weit über die Grenzen Indiens hinaus", sagt Dr. Tido von Schoen-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Trotz dieses großen Erfolges werden wir auch weiterhin nicht nachlassen, bis alle potentiell schädlichen Vorschläge vom Tisch sind."
Datenexklusivität hätte zu einer bis zu zehnjährigen Verzögerung bei der Registrierung generischer Medikamente gesorgt und damit den Unternehmen zu einer Monopolstellung durch die Hintertür verholfen, selbst für Medikamente, die in Indien gar nicht patentiert werden. Diese Klauseln, die von vielen Gesundheitsorganisationen wie der WHO, dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose, UNAIDS und UNITAID scharf kritisiert wurden, hätten den Wettbewerb und damit weiter sinkende Preise zum Beispiel für anti-retrovirale Medikamente verhindert.
Mit der Ankündigung Indiens auf dem Aids Gipfel haben nun beide Verhandlungsparteien von einer Aufnahme der Datenexklusivität in das Freihandelsabkommens offiziell Abstand genommen, auch wenn die EU sich außerhalb dieser konkreten Verhandlungen weiter für Datenexklusivität einsetzt. Ärzte ohne Grenzen fordert jetzt die EU dazu auf, andere schädliche Klauseln nun ebenfalls aus ihren Forderungen zu streichen.
Ärzte ohne Grenzen kritisiert besonders die angestrebten Regelungen zur Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte und zur Aufnahme von Medikamentenpatenten in das Investitionsschutzkapitel des Abkommens. "Die von der EU geforderten Regeln zur Durchsetzung von Patenten führen dazu, dass auch Handelspartner von Generikafirmen wegen möglicher Patentverletzungen dieser Firmen vor Gericht gezerrt werden können. Dies könnte auch Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen treffen", erklärt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne in Deutschland.
"Gerade erst haben die europäischen Regierungen auf dem UN-Aids-Gipfel der massiven Ausweitung der Behandlung von Menschen mit HIV/Aids zugestimmt. Trotzdem treibt die EU immer noch eine Politik voran, die den Zugang auch zu diesen lebensnotwendigen HIV-Medikamenten einschränkt", so Moldenhauer.