„Der europäische Handelskommissar Karel De Gucht versucht, der europäischen Pharmaindustrie eine Hintertür zu lukrativen Monopolen zu öffnen, die zu hohen Medikamentenpreisen führen. Dadurch würden lebensnotwendige Medikamente für Patienten in ärmeren Ländern unerschwinglich", sagt Tido von Schoen-Angerer, internationaler Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.
Innerhalb der EU gehört die deutsche Regierung zu den treibenden Kräften hinter den Generika-feindlichen Forderungen der EU. „Wir fordern die Bundesregierung auf, nicht weiter die Profitinteressen der Pharmaindustrie über das Leben von Patienten zu stellen“, so Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland.
Millionen Menschen in ärmeren Ländern sind auf kostengünstige generische Medikamente angewiesen, um am Leben bleiben zu können. Mehr als 80 Prozent der HIV/Aids-Medikamente beispielsweise, die von internationalen Gebern wie den europäischen Regierungen im Jahr 2008 gekauft wurden, stammten von Generika-Produzenten in Indien. Auch 80 Prozent der Aids-Medikamente, mit denen Ärzte ohne Grenzen derzeit 160.000 Patienten behandelt, kommen aus der so genannten "Apotheke der Armen".
Europa drängt darauf, in dem Abkommen die so genannte Datenexklusivität festzuschreiben, die den Markteintritt generischer Medikamente um bis zu zehn Jahre verzögern würde. Diese Datenexklusivität würde das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Verfahren blockieren, bereits bestehende klinische Studien von identischen Produkten für die Zulassung von Generika zu nutzen.
Gegen den Vorstoß der EU hat Ärzte ohne Grenzen die Kampagne "Europa! Hände weg von unseren Medikamenten" gestartet. (action.msf.org/de)