Patentpool

Entscheidung in den nächsten Tagen erwartet

Am 14. und 15. Dezember wird entschieden, ob ein internationaler Patentpool für HIV/Aids-Medikamente eingerichtet wird. So könnten Hunderttausende Menschenleben gerettet werden.
Zwei Millionen Kinder leben mit HIV/Aids, aber weniger als zehn Prozent von ihnen haben Zugang zu den Medikamenten, die sie benötigen. Allzu oft gibt es keine kindgerechten Ausführungen der Medikamente, weil für die Markenunternehmen kein Anreiz besteht, diese zu entwickeln. Denn: Die überwiegende Mehrheit der Kinder, die Medikamente benötigen, lebt in armen Ländern. In diesen ist es ortsansässigen Firmen durch Patente wiederum oft verboten, kindgerechte Versionen zu entwickeln.

Die problematische Behandlungssituation für Kinder ist einer von vielen Gründen, weshalb sich Ärzte ohne Grenzen dafür einsetzt, dass lebensnotwendige Medikamente entwickelt und zu erschwinglichen Preisen als Nachahmerpräparate (Generika) produziert werden können. Die Organisation plädiert für einen sogenannten Patentpool und hat mehrere Wochen mit der E-Mail-Kampagne und einer Aktion in München um Unterstützung für diese Initiative geworben.

Anfang Oktober hat Ärzte ohne Grenzen die E-Mail Kampagne "Put your patents in the pool!" - "Geben Sie Ihre Patente in den Pool!" gestartet. Auf unserer Website konnten E-Mails an die Leiter der neun Pharmafirmen geschickt werden, die Patente auf die wichtigsten HIV/Aids- Medikamente in ärmeren Ländern halten. Sie wurden aufgefordert, diese in den Patentpool zu geben, so dass wichtige Medikamente zu erschwinglichen Preisen als Nachahmerpräparate produziert werden können. Weltweit wurden von 28.000 Unterstützern und Unterstützerinnen insgesamt rund 300.000 E-Mails verschickt.

Mit einer öffentlichen Aktion auf dem Münchner Odeonsplatz hat Ärzte ohne Grenzen am 30. November die Forderung in der Öffentlichkeit bekräftigt. Mitarbeiter der Organisation haben die ortsansässigen Pharmafirmen aufgefordert, ihre Pillen symbolisch in einen großen Swimmingpool zu geben.

Die im Rahmen der Patentpool-Kampagne gelaufenen Aktionen zeigten Wirkung: Zahlreiche Pharmafirmen haben mit der internationalen Organisation UNITAID Gespräche über eine Teilnahme am Patentpool aufgenommen. UNITAID ist eine von 35 Regierungen getragene Organisation, deren Aufgabe es ist, den Zugang zu Medikamenten gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria zu verbessern. In diesem Rahmen arbeitet UNITAID daran, das Konzept des Patentpools umzusetzen. Am 14./15. Dezember wird dort darüber entschieden, ob der Patentpool realisiert wird. Dies hängt von der Bereitschaft einzelner Pharmafirmen ab, ihre Patente in den Pool zu geben.

Die Entscheidung über die Einrichtung eines Patentpools ist auch die Entscheidung über das Leben von Millionen von Menschen.

Wir danken allen Unterstützern und Unterstützerinnen und werden auf unserer Website über die aktuellen Entwicklungen informieren.

Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Generika
Sogenannte Nachahmermedikamente, die dieselben Wirkstoffe enthalten wie das patentgeschützte, aber meist teurere Originalpräparat.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Dezember 2009




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