Informationen
zu Pharmafirmen, ihren Medikamenten und Patenten
Unternehmen: Merck & Co, Hauptsitz: New Jersey, USA
Das sind die Medikamente, deren Patente Merck in den Patentpool geben soll und die Gründe, aus denen Patienten diese Medikamente benötigen:
Efavirenz (EFV), Markenname: Stocrin / Sustiva
Efavirenz ist besonders wichtig für Menschen, die sowohl mit HIV infiziert als auch mit
Tuberkulose koinfiziert sind. Das Medikament verträgt sich besser mit den
Tuberkulose-Medikamenten als andere antiretrovirale Medikamente der gleichen Reihe. In einigen Teilen Afrikas liegt die Rate von Koinfektionen mit
Tuberkulose bei bis zu 90 Prozent. Dies unterstreicht die Bedeutung des Medikaments in diesen Regionen.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Raltegravir (RAL), Markenname: Isentress
Dieses neue Medikament gehört zu einer hervorragenden neuen Reihe von HIV-Medikamenten, die vor kurzem entwickelt wurden, den so genannten Integrase-Inhibitoren. Raltegravir kam 2007 auf westliche Märkte und wurde bisher nicht in Entwicklungsländern genutzt. Das bedeutet, dass es keine Kreuzresistenzen mit anderen antiretroviralen Medikamenten gibt, die derzeit genutzt werden. Daher hat es einen unschätzbaren Wert für Patienten, die gegen zwei oder mehr Medikamente aus vorherigen Behandlungen
Resistenzen gebildet haben. Bedeutend ist außerdem, dass man für die Benutzung von Raltegavir kein (teures) "boost"-Medikament benötigt, um seine Effektivität zu steigern, und dass das Medikament weniger Nebenwirkungen aufweist. Zurzeit liegt der Preis von Merck bei 1113 US-Dollar pro Patient und Jahr, was es für die ärmsten Länder absolut unerschwinglich macht. Das Patent dieses Medikaments im Patentpool würde ermöglichen, generische Versionen herzustellen. Dies könnte das Leben zahlreicher Patienten retten, die aufgrund entwickelter
Resistenzen keine Behandlungsoptionen mehr haben.
- Resistenz
- Eingeschränkte oder fehlende Sensitivität von Krankheitserregern gegenüber Medikamenten, die dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Resistenzen bilden sich, wenn Medikamente nicht vorschriftsmäßig oder über sehr lange Zeiträume eingenommen werden. Multimedikamentenresistente und extrem multimedikamentenresistente Formen einer Erkrankung sind besonders schwer oder gar nicht mehr behandelbar, zum Beispiel bei Tuberkulose.
Kombinationspräparate: Merck ist auch an Patenten auf Kombinationspräparate beteiligt. Diese Patente sollten in den Pool gehen:
TenofovirDisoproxil-Fumarat / Emtricitabin / Efavirenz, Markenname: Atripla
Merck besitzt ein gemeinsames Patent mit Gilead und Bristol-Myers Squibb auf dieses viel genutzte und effektive Dreifach-Kombinationspräparat. Kombinationspräparate kombinieren zwei oder drei Medikamente in einer einzigen Pille, die nur zweimal bzw. lediglich einmal am Tag (so wie Atripla) eingenommen werden muss.
Diese Dreifach-Kombinationspräparate haben die HIV-Behandlung revolutioniert, indem sie eine sehr komplexe Behandlung sehr vereinfacht haben. Dadurch konnten Behandlungszahlen in ärmeren Ländern erhöht werden. Aus diesem Grund sollten die Patente dieser Dreifach-Kombinationstherapie in den Patentpool.