G8-Gipfel in Heiligendamm
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Lebensnotwendige Medikamente und der G8-Gipfel?
Angela Merkel hat das Thema Innovation auf die Tagesordnung des G8-Gipfels gesetzt. Sie will Fortschritt fördern, indem sie den Schutz geistigen Eigentums insbesondere durch Patente noch mehr ausweiten möchte.
Medizinische Innovation ist dringend notwendig. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und ihre Patienten erleben täglich, dass Medikamente zur effektiven Behandlung z. B. der Schlafkrankheit und resistenter Tuberkulose fehlen.
Das aktuelle System der auf Patentmonopolen basierenden Pharmaforschung ist jedoch keine ausreichende Lösung. Patente führen nicht dazu, dass geeignete Medikamente für vernachlässigte Krankheiten wie Tuberkulose oder Schlafkrankheit entwickelt werden; stattdessen behindern sie den Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten, da sie die Preise vervielfachen. Dies zeigt sich aktuell im Fall von HIV/Aids.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Schlafkrankheit
- Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) wird durch die Tse-Tse-Fliege übertragen und führt ohne Behandlung zum Tod. Im Endstadium schädigen die Parasiten (Trypanosomen) das zentrale Nervensystem, was zu schweren Schlafstörungen, zur Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie zu Verhaltensänderungen und geistiger Verwirrung führt.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Menschen sterben, weil sie von Innovation ausgeschlossen sind!
2,9 Millionen sterben jährlich an HIV/Aids und 2 Millionen an Tuberkulose. Unter ihnen viele Eltern, Ärzte oder Lehrerinnen, deren Fehlen weiteres Leid bedeutet. Für Ärzte ohne Grenzen als humanitäre Hilfsorganisation ist es inakzeptabel, dass ein großer Teil der Menschheit von der Versorgung mit adäquaten Medikamenten ausgeschlossen ist.
Patentgeschützte Medikamente sind für ärmere Länder viel zu teuer. Sie sind auf Generika (Nachahmermedikamente) angewiesen. Auch Ärzte ohne Grenzen versorgt 80.000 HIV/Aids-Patientinnen und Patienten in den Projekten vor allem mit (meist indischen) Generika.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Generika
- Sogenannte Nachahmermedikamente, die dieselben Wirkstoffe enthalten wie das patentgeschützte, aber meist teurere Originalpräparat.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Medizinische Innovation ist lebensnotwendig
Die G8 reduzieren Innovationsförderung jedoch auf Patentschutz. Wir fordern zusätzliche, neue Wege in der Pharmaforschung, die zu monopolfreien und damit bezahlbaren Medikamenten führen.
Juni 2007
Fotos: Christian Frey