Kenia 2007: Patientin Monica ist infiziert mit HIV und mit multiresistenter Tuberkulose. Tuberkulose tritt häufig als Ko-Infektion bei Patienten auf, deren Immunsystem durch die Aidserkrankung geschwächt ist.
Forschung und Entwicklung
Viele Krankheiten wie beispielsweise Tuberkulose oder Malaria betreffen hauptsächlich Menschen in ärmeren Ländern. Diese Menschen können keine hohen Medikamentenpreise bezahlen, so dass die Gewinnmöglichkeiten der Pharmaindustrie begrenzt sind. Das derzeitige Patentsystem bietet keinen Anreiz für Pharmaunternehmen, diese Krankheiten zu erforschen und effektive Therapien zu entwickeln. Für viele dieser Krankheiten gibt es daher nur sehr unzureichende Behandlungsmöglichkeiten.
Auch die Politik investiert viel zu wenig öffentliche Mittel in Forschungsförderung dieser sogenannten vernachlässigten Krankheiten. Andere Anreizsysteme und Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um Forschung und Entwicklung von Therapien zu forcieren. Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen übt Druck auf die Pharmaindustrie und politische Entscheidungsträger aus, um Lösungen zu entwickeln und im Sinne der Patienten in Entwicklungsländern umzusetzen.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Links
PDF-Dokumente
- Report Forschungszwerg Deutschland (Update 2011), Vernachlässigte Krankheiten: Forschungsförderung steigt, aber strukturelle Mängel bleiben
- Pharmaforschung - "Arzneien für Afrika entwickeln" - (2007), Interview mit Tobias Luppe, Referent der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen, erschienen in der Zeitschrift "Gesundheit und Gesellschaft", 01/2007
- Treating HIV in the developing word: getting ahead of the drug development curve (2006)
- Hintergrundpapier: Forschung und Entwicklung für vernachlässigte Krankheiten. Wege aus der Krise (2006)
- Bericht "Die Zukunft des Medikamentenzugangs in ärmeren Ländern" (2004), Aktuelle Entwicklungen im weltweiten Patentrecht verschärfen das Problem des Zugangs zu bezahlbaren Medikamenten
- Bericht: "Drug patents under the spotlight" (2003), Darstellung der Patentsituation von 18 Medikamenten in 29 Ländern. Gesundheitsministerien und Non-Profit-Unternehmen sollen von den Informationen Gebrauch machen können und so davor bewahrt werden, sich zum Kauf teurer Medikamente drängen zu lassen.
- "Tödliches Ungleichgewicht." (2002), Die Krise in Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln gegen vernachlässigte Krankheiten. Eine Broschüre zum Thema der Medikamentenkampagne.
Fotos: Brendan Bannon