Tschetschenien 2006: Noch immer leben Menschen in Grosny in von Luftangriffen zerstörten Häusern. © Misha Galustov/agency.photograph
 
Tschetschenien 2006: Noch immer leben Menschen in Grosny in von Luftangriffen zerstörten Häusern.


Russische Föderation

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Die Anzahl gewalttätiger Zwischenfälle im Nordkaukasus, im Süden Russlands, stieg im Jahr 2010 an. Die meisten ereigneten sich in der Republik Dagestan, obwohl es auch in Inguschetien, Tschetschenien und Kabardino-Balkarien zu Todesopfern durch Gewalt kam. Die Sicherheitslage beeinträchtigt die medizinische Versorgung. Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung und der Mangel an medizinischem Personal erschweren die Situation zusätzlich. Ärzte ohne Grenzen arbeitet in der Region, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • In Inguschetien und Tschetschenien betreute Ärzte ohne Grenzen ein psychosoziales Projekt für die lokale Bevölkerung und Vertriebene, die von der Gewalt betroffen waren. Im Jahr 2010 konzentrierten sich die Mitarbeiter auf die Beratung von Menschen, die in den gebirgigen Regionen leben, wo es häufiger zu gewalttätigen Zwischenfällen kam. In Dagestan arbeiteten die Teams in der Stadt Schasawjurt, wo sie in der Nähe des Marktes medizinische und psychologische Hilfe für Vertriebene und Migranten leisteten.
  • Seit 2005 betreut Ärzte ohne Grenzen gynäkologische und pädiatrische Kliniken in zwei Distrikten der tschetschenischen Hauptstadt Grosny. Diese Kliniken unterstützen in erster Linie besonders verwundbare Gruppen wie Mütter, die für große Familien mit geringem Einkommen verantwortlich sind. Außerdem lieferten die Teams Medikamente und Material an das Mutter-und-Kind-Zentrum in Grosny sowie an Gesundheitseinrichtungen in Schatoi, Scharoi und Itum-Kale, im Süden der Republik. Im August 2010 eröffnete Ärzte ohne Grenzen gynäkologische und pädiatrische Gesundheitszentren in zwei ländlichen Ortschaften, die im Norden von Tschetschenien in den Distrikten Naurskiy und Schelkowskoi liegen.
  • Ärzte ohne Grenzen spielte im Jahr 2010 zudem eine wichtige Rolle bei der Ausweitung des tschetschenischen Tuberkulose-Programms (TB). Die Teams konzentrierten sich darauf, die Qualität der TB-Gesundheitszentren und TB-Labore zu verbessern. Da eine beträchtliche Anzahl von Patienten mit multiresistenter Tuberkulose festgestellt wurde, plant Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2011, mit der Behandlung von multiresistenter TB in Tschetschenien zu beginnen.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1988 in der Russischen Föderation und seit 1995 im Nordkaukasus.

 

31. Mai 2011
Fotos: Misha Galustov/agency.photograph



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Russland
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