Noch drei Tage nach dem Beben waren Nachbeben spürbar - ein Großteil der Bevölkerung der am stärksten betroffenen Orte hatte Angst, in die Häuser zurückzukehren und verbrachte die Nächte im Freien. Viele der Häuser weisen schwere Schäden auf. Am stärksten wurde das Dorf Mayrtup getroffen, in dem ca. 11.000 Menschen leben. Weitere seismische Aktivitäten im Nord-Kaukasus werden für die nahe Zukunft erwartet.
Die lokalen Gesundheitsbehörden leisteten unmittelbar nach dem Beben medizinische Nothilfe für die Verwundeten. Ärzte ohne Grenzen entsandte am Tag des Bebens zwei psychologische Berater, die in den regulären Programmen der Organisation in der Region arbeiten, in das Krankenhaus der Stadt Gudermes, um Erdbebenopfer und ihre Angehörigen im Umgang mit dem Schock psychologisch zu unterstützen.
In vielen Orten war Ärzte ohne Grenzen die erste Hilfsorganisation vor Ort, um die Bedürfnisse der Betroffenen zu evaluieren. Fünf mobile medizinische Teams waren in den fünf am stärksten betroffenen Orten - Mayrtup, Bashi-Yurt, Lower und Upper Noybera und Oyskahara im Einsatz. An allen Orten wurden Zelte aufgestellt, mit je einem medizinischen Team und einem psychologischen Berater.
In den ersten beiden Tagen führten die Teams 562 medizinische Untersuchungen und 398 psychologische Beratungen (Gruppen- und Einzeltherapie) durch. Die meisten Patienten kamen mit stressbedingten Beschwerden wie Bluthochdruck, Herz-Kreislaufproblemen und verschiedenen psychosomatischen Störungen.
"Am ersten Tag haben unsere mobilen Teams allein in Noybera, einem Dorf mit 3.000 Einwohnern, 130 Untersuchungen durchgeführt", berichtete Mairbek Abdullayev, ein tschetschenischer Arzt und Leiter der mobilen Kliniken. "Unsere Ärzte haben mindestens 65 Kinder mit Erkältungen behandelt, die zu uns gebracht wurden, weil sie mehrere Nächte auf der Straße verbringen mussten."
Ärzte ohne Grenzen wird auch eine Evaluierung durchführen, um den Bedarf an allgemeinen Hilfsgütern wie Decken und Öfen abzuschätzen. Die Teams werden eine genaue Untersuchung der in der Gegend vorhandenen Wasservorräte und Wasserleitungen beginnen, da eine erste Evaluierung auf einen unzureichenden Vorrat an Trinkwasser hindeutete.
Obwohl das Erdbeben in geringem Ausmaß auch in den Nachbarrepubliken Inguschetien, Dagestan, Kabardino-Balkarien und Ossetien zu spüren war, haben diese Länder keinen Schaden erlitten.
| Russland | |
|---|---|
| Fläche: | 17 075 400 km² |
| Einwohner: | 141,800 Mio. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 4,3/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 14/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 59 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 72 J. |