Republik Moldau 2008: Eine Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen bereitet die antiretroviralen Medikamente für einen Patienten auf der HIV/Aids-Station des Krankenhauses in Slobodzea vor. © Alexander Gyadyelov
 
Republik Moldau 2008: Eine Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen bereitet die antiretroviralen Medikamente für einen Patienten auf der HIV/Aids-Station des Krankenhauses in Slobodzea vor.


Republik Moldau

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Transnistrien, eine politisch isolierte und vorrangig russischsprachige Region, ist ein Landstreifen, der durch den Fluss Dniester von der Republik Moldau getrennt ist. Einst Schauplatz eines gewaltsamen separatistischen Krieges wird Transnistrien noch immer nicht von der internationalen Gemeinschaft anerkannt. Obwohl die Republik viel Geld von internationalen Institutionen erhält, um die HIV/Aids-Epidemie zu bekämpfen, fließt davon nur wenig nach Transnistrien.

Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.

 

Die Aktivitäten im Überblick (Auszug)

Gemeinsam mit dem transnistrischen Gesundheitsministerium startet Ärzte ohne Grenzen Anfang 2007 das erste HIV/Aids-Projekt in der Region. Bereits vier Monate bevor die erste Ambulanz im zentralen Krankenhaus der Hauptstadt Tiraspol ihre Türen öffnet, erhalten die ersten Patienten ihre lebensverlängernden antiretroviralen Medikamente. Dies ist dem Ernst der Lage zuzuschreiben. Ärzte ohne Grenzen renoviert das Labor des Krankenhauses von Grund auf und richtet ein neues Abfallbeseitigungssystem ein.

Die Aktivitäten des Projektes werden schließlich ausgeweitet: Es finden wöchentliche Besuche im Bender-Tuberkulose-Krankenhaus statt, wo Patienten untergebracht sind, die an Tuberkulose und HIV/Aids erkrankt sind. Die Mitarbeiter fahren ebenso nach Slobozia, der einzigen stationären Einrichtung für HIV/Aids-Patienten in der Region sowie nach Ribnitza, das im Norden des Landes liegt. Hier betreuen sie wöchentlich ein Gesundheitszentrum in der städtischen Poliklinik. Darüber hinaus arbeiten die Mitarbeiter in den Gefängnissen, wo HIV/Aids rund 13 mal öfter vorkommt als in der zivilen Gesellschaft. Auch Koinfektionen, vor allem mit Tuberkulose, sind viel häufiger. Bevor Ärzte ohne Grenzen die Arbeit in den Haftanstalten aufnimmt, haben die Insassen keinen Zugang zu einer fachmedizinischen HIV-Pflege und -Behandlung.

Im Dezember 2008 übergibt Ärzte ohne Grenzen alle Aktivitäten im zivilen Bereich an das Gesundheitsministerium. Zu diesem Zeitpunkt versorgen die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und das Gesundheitsministerium rund 860 HIV-Patienten. Das sind mehr als die Hälfte aller HIV-Positiven, die in Transnistrien registriert sind. Mehr als 180 dieser Patienten starten ihre lebensverlängernde antiretrovirale Therapie.

Ärzte ohne Grenzen trainiert zudem das Personal des Krankenhauses, um sicherzustellen, dass die Versorgung qualitativ hochwertig ist. Vor allem aber führt die Lobbyarbeit der Organisation dazu, dass finanzielle HIV/Aids-Ressourcen von der Republik Moldau nach Transnistrien fließen. Die Übergabe des Gefangenen-Projekts an das Justiz- und Gesundheitsministerium ist für Anfang 2009 geplant.

Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 2007 in der Republik Moldau präsent.

 

Fotos: Alexander Gyadyelov


Länderinformationen

Moldau
Moldau
Fläche:33 800 km²
Einwohner:3,633 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 2,6/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
14/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):65 J.
Lebenserwartung (Frauen):72 J.
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