Italien
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Seit langem schon ist Italien das Ziel- oder Transitland für Migranten und Asylbewerber, die vor Konflikten oder Armut fliehen. Die Stiftung ISMU schätzt die Anzahl der in Italien lebenden nichtregistrierten Migranten auf knapp 422.000. Im Jahr 2009 führt die italienische Regierung eine strengere Einwanderungspolitik ein, die die Lage der Migranten verschlechtert, die Stigmatisierung erhöht und ihnen den Zugang zur Gesundheitsversorgung erschwert. Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich 2009 darauf, die Migranten im Süden Italiens mit medizinischer und humanitärer Hilfe zu versorgen. Viele von ihnen arbeiten dort als Saisonarbeiter. Gleichzeitig informiert die Organisation die Öffentlichkeit über die schwierigen Lebensbedingungen der Migranten und ihren schlechten Zugang zur Gesundheitsversorgung, um Druck auf die Behörden auszuüben.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Die italienische Regierung hat ihre Politik verschärft, um hart gegen die inoffizielle Einwanderung vorzugehen. Dies führt zu einer zunehmend feindlich gesinnten Umgebung für nichtregistrierte Migranten. Das neue Gesetz kriminalisiert den gesetzeswidrigen Eintritt in das Land und die Menschen, die dort ohne Visa leben. Die Höchstverweildauer in den Zentren für nichtregistrierte Migranten ist von zwei auf sechs Monate erhöht worden. Und dies, obwohl eine längere Verweildauer sich wahrscheinlich negativ auf die körperliche und seelische Verfassung der Migranten auswirkt. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen untersuchen 21 dieser Zentren für Migranten und Asylbewerber und berichten von Überbelegung, schlechten Lebensbedingungen und ungenügender Gesundheitsversorgung. Da die Grenzkontrollen verstärkt werden, nehmen die Migranten längere und gefährlichere Reisen in kleineren Booten in Kauf, um nicht aufgespürt zu werden.
- In den vergangenen sieben Jahren betreut Ärzte ohne Grenzen 35 Kliniken, um nichtregistrierte Migranten in sechs italienischen Regionen medizinisch und psychologisch zu versorgen. Schrittweise werden alle Kliniken an die einheimischen Behörden übergeben und in das nationale Gesundheitssystem integriert. Der Wunsch der Migranten, anonym zu bleiben, wird dabei respektiert. In Puglia und Kantabrien führen die Teams im Jahr 2009 mehr als 700 Konsultationen durch und verteilen Hygieneartikel und andere wichtige Hilfsgüter an die Saisonarbeiter. Ärzte ohne Grenzen betreut vier Kliniken in der Kampania-Region und behandelt mehr als 1.600 Migranten. Im April leistet Ärzte ohne Grenzen zudem psychologische Hilfe für die Erdbebenopfer in den Abruzzen. In den Jahren 2003 bis 2009 versorgen die Teams Migranten auf der Insel Lampedusa, die ein häufiger Anlandepunkt für Migranten und Flüchtlinge ist, mit medizinischer Hilfe. Da Italien und Libyen strengere Grenzkontrollen beschließen, kommen im Jahr 2009 viel weniger Migranten auf Lampedusa an. Ärzte ohne Grenzen schließt daher dieses Projekt.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1999 in Italien präsent.
April 2010
Fotos: Livio Senigalliesi